Maschinenbau

Allgegenwärtig und wirkungsvoll

Ulrich Reifenhäuser (Foto: VDMA)

Nicht vor Ort, aber allgegenwärtig“: So konnten wir im Juni 2017 einen Blog-Beitrag zur Jahrestagung des VDMA-Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen betiteln. Klar, wer gemeint war: Der seinerzeit erst fünf Monate amtierende US-Präsident Donald Trump.

Ein Jahr später in gleichem Rahmen ist das Handeln des Republikaners in Zahlen zu fassen: Die Trump‘sche Reform der Unternehmensbesteuerung begünstige das Investitionsklima in den USA, zudem sei der Drang, sich durch eigene Produktion von chinesischen Importen unabhängiger zu machen, ungebrochen, berichtete Ulrich Reifenhäuser, wiedergewählter Vorsitzender des Verbandsvorstands. Im österreichischen Linz bekundete er seine Überzeugung, dass die USA weiter ein guter Markt für den deutschen und europäischen Maschinenbau bleiben.

Dr. Peter Schmidt (Foto: VDMA)

Negative Folgen hat der Protektionismus: Die deutschen Maschinenbauer erwirtschaften in ihren chinesischen Produktionsgesellschaften Umsätze von ca. 570 Mio. EUR. Davon erzielen sie 250 Mio. EUR bzw. 40 % durch Export in Drittländer. Darunter sind Maschinen im Wert von 90 Mio. EUR allein für die USA, auf die jetzt 25 % Importzoll fällig werden. Denn Maschinen zur Kunststoffverarbeitung fallen in jene 50 Mrd. USD Handelsvolumen, die dem „POTUS“ ein Dorn im Auge sind.

Thorsten Kühmann (Foto: VDMA)

Dr. Peter Schmidt, Geschäftsführer des Kautschukmaschinenherstellers Troester, analysierte, die Branche müsse ihre chinesische Fertigung für die USA infrage stellen. Ulrich Reifenhäuser stellte fest, „kreative Lösungen“ seien gefragt. Die Branche werde versuchen, das gewünschte Equipment statt aus China jetzt aus Europa zu liefern. Dabei seien die Kosten das eine Problem, die ohnehin „überstrapazierten“ Kapazitäten das andere. Fachverbands-Geschäftsführer Thorsten Kühmann kündigte an, der VDMA werde auf Übergangsfristen zur Anpassung von Logistikwegen drängen.

Auch die amerikanische Nahostpolitik bleibt nicht folgenlos: Der iranische Markt sei im Moment „so gut wie tot“, ließen mehrere Maschinenbauer hören, Installationen für europäische Lieferanten zurzeit praktisch unmöglich. Profiteure sind hier vor allem asiatische Lieferanten – und nicht die europäischen Dependancen, die vor allem von China aus durchaus lieferfähig wären. So oder so: Die Allgegenwärtigkeit zeigt inzwischen auch Wirkung.

Gepostet am 26.06.2018 um 11:34.
Markus Lüling
Markus Lüling (Chefredakteur K-PROFI)
berichtet exklusiv für K-AKTUELL.

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