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BPA: Wetten, dass …?

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat jetzt BPA – Vorprodukt unter anderem für Polycarbonat und Phenolharze – offiziell für gesundheitlich unbedenklich erklärt. Die tolerierbaren Grenzwerte hat die EFSA dennoch um eine Zehnerpotenz heruntergesetzt, was technisch ohne Weiteres möglich und auch gängig ist. Verständlich, dass PlasticsEurope nun die Aussetzung und Rücknahme von BPA-Verboten in EU-Ländern wie Frankreich fordert.

Wetten, dass das trotzdem nichts nutzen wird? Zu stark sind die vorurteilsbeladenen Vorbehalte der Umweltgruppen gegen die unheimliche Chemie und die böse Industrielobby. Und zu weit aus dem Fenster gelehnt haben sich all die Abgeordneten der nationalen Parlamente, die den Gesetzentwürfen zugestimmt haben. Wie sollte man denn den Wählern ein Zurückrudern erklären?

Es gibt im Kunststoffsektor – aber nicht nur dort – genügend Beispiele für Regulierungen, die auf komplett unsinnigen und faktisch widerlegten Annahmen beruhen. Man denke beispielsweise recht aktuell an die Plastiktüten. In Indien übrigens soll PET jetzt nicht mehr bei Pharmazeutika angewendet werden, unter anderem angeblich wegen des BPA in dem Werkstoff – das wird allen Ernstes so diskutiert.

Für BPA besonders interessant ist der Fall der Phthalate, ein ähnliches chemisches „Teufelszeug” wohl. Ende 1999 erließ die EU ein zunächst temporäres Verbot von DEHP in Babyspielzeugen. Hintergrund war der bis dahin unwiderlegte vage Verdacht, die Stoffe seien krebserregend.

Im Februar 2000 wurde die Stellungnahme eines von der Weltgesundheitsorganisation WHO beauftragten, renommierten französischen Instituts veröffentlicht. Nach langjährigen intensiven, wissenschaftlich abgesicherten Untersuchungen könne man eindeutig feststellen, dass Phthalate nicht krebserregend seien, hieß es. Genau das wurde dann auch die offizielle Einstufung der WHO.

Die EU allerdings focht das keineswegs an, nur drei Wochen später wurde das Verbot bestätigt und gilt bis heute. In der öffentlichen Diskussion ist der ursprüngliche Anlass des Verbots mittlerweile vollständig vergessen worden. Krebserregend? Daran denkt heute niemand mehr. Vielmehr ist die hormonähnliche Wirkung seit einigen Jahren schon in Mode, bei den Phthalaten ebenso wie beim BPA. Es lässt sich kaum zurückverfolgen, wer da wen angesteckt hat.

Man solle sein „iPhone” besser nicht einatmen, empfahl schon im Jahr 2007 ein Arzt sarkastisch in einer kurz aufflammenden Gesundheitsdiskussion um das damalige Kulthandy. BPA? Man sollte seine CDs wohl besser nicht essen.

Gepostet am 22.01.2015 um 15:54.
Daniel Stricker
Daniel Stricker (Chefredakteur KI)
berichtet exklusiv für K-AKTUELL.

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