Gedanken und Impulse der Redaktion

Große Ziele mit kleinen Fasern

Erst im vergangenen Herbst aus der Taufe gehoben, vereinigt die „Wirtschaftsvereinigung Composites Germany“ (WCG) mehr als 750 Unternehmen, die den vier Trägerverbänden AVK – Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe e.V., Carbon Composites e.V. (CCeV), CFK Valley Stade e.V. sowie dem VDMA-Forum Composite Technology angeschlossen sind.

Gestern, nach Abschluss der diesjährigen „Internationalen AVK-Tagung“ und zum Auftakt der Fachmesse „Composites Europe“, ließen die Spitzen der WCG in Düsseldorf eine Katze aus dem Sack: Die AVK-Tagung, jahrzehntelang etabliert und vor einigen Jahren um das Attribut „International“ ergänzt, wird umbenannt. Sie soll ab 2015 als „Composites Germany“ firmieren und wie in den letzten Jahren der Messe „Composites Europe“ vorgeschaltet bleiben, die jährlich im Herbst zwischen Stuttgart und Düsseldorf alterniert.

Dr. Michael Effing, Vorstandsvorsitzender der AVK und Vizepräsident des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), gab die Ziele vor: „Wie werden Composites zur Schlüsseltechnologie?“ Das sei eine Frage, die man beantworten müsse. Dazu bedürfe es mehr Präsenz bei der Politik in Berlin, einer Intensivierung der Aktivitäten bei der Standardisierung, aber auch einer Internationalisierung der Tagung, die künftig durchweg in englischer Vortragssprache stattfinden soll. Und Effing weiter: Eine modifizierte Jahrestagung der Composite-Branche solle mittelfristig nicht mehr nur 300 Teilnehmer wie bislang, sondern „500 oder gar 1.000“ Teilnehmer anziehen.

Im Vergleich zur „konventionellen“ Kunststofftechnik stellen die faserverstärkten Kunststoffe immer noch nur einen Bruchteil an Umsatz und Verarbeitungsmenge: Etwa 3 % der weltweit verarbeiteten Kunststoffmenge können nach AVK-Angaben als faserverstärkte Kunststoffe durchgehen, in Europa inklusive der kurzfaserverstärkten thermoplastischen Compounds etwa 4 %. In Deutschland bringen Werkstoffe mit duroplastischer Matrix plus alle GMT- und LFT-Werkstoffe mit Thermoplast-Matrix nur 200.000 Tonnen Jahresmenge auf die Waage – knapp 2 % der jüngst ermittelten Verarbeitungsmenge an Kunststoffen in Deutschland.

Die Ausgangslage könnte deutlich günstiger sein, um kräftig die Backen aufzublasen. Trotzdem: Ein junger Wirtschaftsverband denkt laut in großen Zielen und geht in die Offensive. Der politische Wind steht günstig für den Leichtbau. Die Protagonisten sind sich ihrer Erfolgsaussichten sehr sicher, agieren selbstbewusst, nutzen ihre Chance und setzen die Segel. Respekt!

Gepostet am 08.10.2014 um 06:41.
Markus Lüling
Markus Lüling (Chefredakteur K-PROFI)
berichtet exklusiv für K-AKTUELL.

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