Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

KraussMaffei: 50 Jahre Reaktionstechnik

Die Reaktionstechnik von KraussMaffei (RPM) feiert in diesem Jahr neben dem 180jährigen Jubiläum von KraussMaffei auch ein eigenes: 1968, genau vor 50 Jahren brachte man erstmals eine Spezial-Schließeinheit mit zwei Rotationsachsen für die Verarbeitung von Polyurethan auf den Markt. Damit setzte man eine Entwicklung in Gang, die zu vielfältigen Produkten und Verfahren führte, mit denen die Leistungsfähigkeit von Polyurethan-Bauteilen und anderen Matrixsystemen weiter verbessert werden konnte.

Das KraussMaffei Technikum bietet heute eine weltweit einmalige Entwicklungs- und Forschungslandschaft für die Reaktionstechnik und den faserverstärkten Leichtbau (Foto: KraussMaffei).

„Wir blicken heute mit Stolz auf 50 Jahre Reaktionstechnik zurück. In dieser Zeit hat KraussMaffei mit zahlreichen neuen Technologien und Verfahren die Entwicklung der Reaktionstechnik weltweit entscheidend geprägt und vorangetrieben“, erklärte Nicolas Beyl, President des Segments Reaktionstechnik und Geschäftsführer der KraussMaffei Technologies GmbH. So war KraussMaffei Anfang der 1960er schon seit mehreren Jahren Anbieter von Spritzgießmaschinen, 1967 entstand dann die Idee neben der Verarbeitung von thermoplastischen Kunststoffen auch die Verarbeitung von duroplastischen Systemen wie Polyurethane mit ins Portfolio aufzunehmen. Die ersten Formenträger („Moon Swing“) wurden 1968 gemeinsam mit PUR-Systemen von Bayer im Markt angeboten. Mit der Entwicklung des ersten selbstreinigenden Mischkopfs, der nach dem Hochdruck-Gegenstrominjektions-Prinzip arbeitete, setzte KraussMaffei 1970 den ersten Meilenstein. Die bis dahin im Markt etablierte Niederdrucktechnologie wurde durch ein Verfahren erweitert, das auch die diskontinuierliche Herstellung von Teilen im Schussbetrieb ermöglichte. Ende der 1970er Jahre wurden mit diesem Verfahren die ersten Autositze aus Formschaum serienmäßig produziert.

In den Folgejahren sollte die Entwicklung nicht stillstehen. Kontinuierlich kamen neue Technologien für neue Anwendungen hinzu. Das Thema R-RIM (Reinforced Reaction Injection Molding) für die Möbelindustrie beispielsweise war im Fokus der 1970er. In den 1980er Jahren war es das Thema Ny-RIM, also die Verarbeitung von Caprolactam. Diese Erfahrungen sollten in den 2010er auch in die Entwicklung des T-RTM-Verfahrens (Thermoplastisches Resin Transfer Molding) mit einfließen.

Composites und innovative Oberflächenverfahren im Fokus

Synergien von Spritzgieß- und Reaktionstechnik: Beim ColorForm-Verfahren wird der thermoplastische Grundkörper im zweiten Takt mit Polyurethan (PUR) oder Polyurea (PUA) überflutet. Das Ergebnis sind besonders hochwertige und kratzfeste Oberflächen (Foto: KraussMaffei).

Die 1990er waren ebenso wie die darauffolgenden Jahre geprägt von neuen Technologien für den faserverstärkten Leichtbau. Hier setzte KraussMaffei beispielsweise mit der LFI-Technologie (Long Fiber Injection), mit der sich besonders große Bauteile wie Motorhauben für Mähdrescher und Landmaschinen produzieren lassen, einen Glanzpunkt. Ein weiterer wichtiger Trend in dieser Zeit war die Entwicklung innovativer Oberflächenverfahren. Meilensteine in dieser Zeit waren zum Beispiel das von KraussMaffei entwickelte Clear Coat Molding (CCM) – ein Verfahren zum Überfluten von Holzoberflächen im Automobilbau – oder das ColorForm-Verfahren, bei dem ein thermoplastischer Grundkörper mit Polyurethan überflutet wird, um haptische Effekte oder besonders hochglänzender Oberflächen zu erzielen.

Mit dem von KraussMaffei entwickelten CCM-Verfahren (Clear Coat Molding) lassen sich hochwertige Bauteile für den Automobil-Innenraum mit Kratzfestbeschichtung in einem einzigen Arbeitsschritt veredelt werden (Foto: KraussMaffei).

„Die Entwicklung des ColorForm-Verfahrens ist eine hervorragende Referenz für die einzigartige Systemkompetenz von KraussMaffei. Als einer der wenigen Anbieter am Markt bieten wir die drei für diesen Prozess entscheidenden Technologien Spritzgießtechnik, Reaktionstechnik und Automation aus einer Hand. Diese Synergien und die gute Zusammenarbeit der Teams sind ein wichtiger Bestandteil für den nachhaltigen Erfolg von KraussMaffei“, erklärt Nicolas Beyl.

Und auch in den Folgejahren sollte die Entwicklung bei der KraussMaffei Reaktionstechnik vorangehen. Zwei der jüngsten Meilensteine im Bereich Composites sind beispielsweise das Nasspress-Verfahren (Wetmolding), eine besonders wirtschaftliche Alternative im Vergleich zu klassischen RTM-Verfahren (Resin Transfer Molding), bei dem der gesamte Preforming-Prozess entfällt, oder die iPul-Pultrusionsanlagen.

Werkzeug- und Beschnitttechnik erweitern Portfolio

Ein wichtiger Schritt zum Ausbau der Systemkompetenz bei der KraussMaffei Reaktionstechnik erfolgte 2005. Die zwei neuen Standorte in Viersen und Georgsmarienhütte ergänzten das Portfolio um die Bereiche Formwerkzeugbau und Beschnitttechnik. Seitdem bietet KraussMaffei seinen Kunden schlüsselfertige Lösungen im Automobilinterieur an und kann sich deutlich früher in das Projektmanagement bei der Fahrzeugentwicklung einbringen. Die in Georgsmarienhütte hergestellten Werkzeuge eignen sich für die Fertigung von Weichschaum, Hartschaum, Halbhartschaum oder Weichintegralschaum. Der für die Beschnitttechnik zuständige Standort Viersen liefert dabei neben dem konventionellen Stanzen auch die flexiblen Verfahren als robotergeführte Fräs- und Kaltmesser-Lösungen.

Tragende Säule der KraussMaffei Gruppe

Die Reaktionstechnik ist heute neben der Spritzgießtechnik und der Extrusionstechnik eine der drei tragenden Säulen der KraussMaffei Gruppe. Derzeit produziert die KraussMaffei Reaktionstechnik rund 300 Anlagen pro Jahr. Das soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. „Wir verstehen die sich stetig ändernden Anforderungen als Ansporn für die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen und wollen damit unsere Marktposition stärken und weiter ausbauen – ganz im Sinne von Technology Pioneers“, ergänzte Nicolas Beyl.

www.kraussmaffei.com

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