Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

Thieme: Digitales Drucksystem für Tiefziehfolien

Die neue Technologie kann z. B. für die Scheckkartenherstellung eingesetzt werden, bei der Laminiervorgänge unter hohen Temperaturen durchgeführt werden. (Foto: Thieme)

Die neue Technologie kann z. B. für die Scheckkartenherstellung eingesetzt werden, bei der Laminiervorgänge unter hohen Temperaturen durchgeführt werden. (Foto: Thieme)

Der Druckmaschinenhersteller Thieme, Teningen, präsentierte kürzlich ein digitales Drucksystem zur Bedruckung von Folien, die anschließend tiefgezogen oder hinterspritzt werden. Die in Kooperation mit dem Druckfarbenhersteller Tritron entwickelte HydroGel-Technologie verbindet hohe Druckqualität mit Effizienz.

Bisher konnten Folien, die nach der Bedruckung tiefgezogen oder hinterspritzt wurden, nur im Siebdruckverfahren bedruckt werden. Damit ist jedoch die Wiedergabe von Farbverläufen oder feinen Schriften nur eingeschränkt möglich, zudem fällt bei kleineren Stückzahlen ein beträchtlicher Rüstaufwand an. Auf Basis der Thieme-Digitaldruckplattform steht nun die erste digitale Drucklösung speziell für derartige Anwendungen zur Verfügung. Diese erweitert nicht nur die grafischen Möglichkeiten, sondern ermöglicht auch eine kostengünstige Produktion von Kleinserien.

Das Drucksystem macht erstmals das neuartige HydroGel-Verfahren des Druckfarbenherstellers Tritron nutzbar. Im Unterschied zum üblichen Digitaldruckprozess, in dem die Drucktinte mittels UV-Licht fixiert wird, kommen bei HydroGel wasserbasierte Tinten zum Einsatz, die Tropfen für Tropfen mit einer zuvor punktgenau im Inkjet-Verfahren aufgebrachten Spezialflüssigkeit fixiert werden. „Beim Auftreffen auf die Vorbehandlung geliert der Tintentropfen“, beschreibt Tritron-Geschäftsführer Dr. Jens Simon das ausgeklügelte Verfahren. „Auf diese Weise wird Bleeding, also ein Verlaufen der Tintentropfen auf dem nicht saugfähigen Folienuntergrund, zuverlässig verhindert.“

Gesamtlösung aus Tinte und Technik

„Nur durch ein perfektes Zusammenspiel von Tritron-Tinte und Thieme-Maschinentechnik war dieses innovative Druckverfahren realisierbar“, ergänzt Harry Götz, Produktmanager Digitaldruck bei Thieme. „Damit steht erstmals eine stimmige Gesamtlösung für die Bedruckung von anschließend tiefgezogenen und hinterspritzten Folien zur Verfügung.“ Ausgestattet mit 7-pl-Druckköpfen ermöglicht die Maschine eine sehr feine Auflösung, und dies bei einer im Vergleich zum üblichen UV-Prozess unverändert hohen Druckgeschwindigkeit. Die Tinte ist prozessstabil verarbeitbar und haftet gut.

Für den HydroGel-Prozess werden die Thieme-Digitaldruckmaschinen mit speziellen Zusatzfunktionen ausgestattet. Dazu gehören eine automatische Abdichtung (Capping) der Druckköpfe, die ein Eintrocknen der wasserbasierten Drucktinten verhindert, eine automatische Druckkopfreinigung sowie eine Absaugung und Ex-Schutz-Maßnahmen zur sicheren Verarbeitung der alkoholbasierten Fixierflüssigkeit. Abgesehen von dieser speziellen Ausstattung können Anwender alle üblichen Maschinenoptionen nutzen, die es bereits für die UV-Maschinenvarianten gibt. Harry Götz empfiehlt Anwendern insbesondere den Vakuumtisch mit Anlegestiften: „Dieser erleichtert gerade bei flexiblen Materialien wie Folien ein passgenaues Ausrichten von Sieb- zu Digitaldruck.“

Flexible Formung nach dem Druck

Die Digitaldruckmaschine Thieme 505 D ist für ein maximales Druckformat von 400 x 600 mm ausgelegt. (Foto: Thieme)

Die Digitaldruckmaschine Thieme 505 D ist für ein maximales Druckformat von 400 x 600 mm ausgelegt. (Foto: Thieme)

Typische Anwendungen des neuen Digitaldruckverfahrens sind Foliendrucke für Taster und Bedienblenden im Automobil oder auf Haushalts- und medizintechnischen Geräten. Hierbei wird eine Folie zuerst im flachen Zustand auf der Rückseite bedruckt und anschließend mittels Thermoformen in die gewünschte Form gebracht. Abschließend wird die Folie mit Kunststoff hinterspritzt. „Der HydroGel-Aufdruck ist temperaturbeständig, sodass auch höhere Temperaturen bei diesen Prozessschritten kein Problem darstellen“, versichert Dr. Jens Simon von Tritron. Somit kann die Technologie auch in anderen Anwendungen wie z. B. der Scheckkartenherstellung eingesetzt werden, bei der Laminiervorgänge unter hohen Temperaturen durchgeführt werden.

Nachdem bereits eine Digitaldruckmaschine der Baureihe Thieme 3020 D mit HydroGel-Technologie erfolgreich im Einsatz ist, hat Thieme das innovative Verfahren nun für kleinere Druckformate adaptiert. Bei dieser Gelegenheit wurde die bestehende Maschinenbaureihe Thieme 500 D komplett überarbeitet und hinsichtlich Platzbedarf und Bedienkonzept optimiert. Verfügbar sind ab sofort die Varianten Thieme 505 D (max. Druckformat 400 x 600 mm) und 510 D (630 x 730 mm), beide wahlweise mit UV- oder HydroGel-Ausstattung.

www.thieme.eu

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