Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

VDMA: Mit Umweltschutz Geld verdienen

S+S Bottle to bottle Recycling

S+S Bottle to bottle Recycling

Im Jahr 2011 sind in Deutschland 5,45 Mio. t Kunststoffabfälle angefallen. Von dieser Menge wurden nach Angaben des Bundesumweltamtes etwa 99 % stofflich oder energetisch verwertet – unter Berücksichtigung energieeffizienter Müllverbrennungsanlagen mit Energieauskopplung. Anders ausgedrückt: Nur etwa ein Prozent der in Deutschland verbrauchten Kunststoffe landete auf dem Müll. Damit ist die Kunststoffbranche in puncto Wiederverwertung weltweit Spitze.

In anderen Teilen der Welt sieht die Umweltbilanz nicht so rosig aus. In China, der inzwischen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, stelle das gestiegene Umweltbewusstsein eine große Chance für die deutschen Hersteller von Maschinen zum Kunststoffrecycling dar, berichtet der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. „Die Wichtigkeit und Bedeutung des Kunststoff-Recyclings gerade in China nimmt immens zu. Aufgrund weltweiter Rohstoffknappheit, dem ständig steigenden Kostendruck und riesiger Abfallmengen entwickelt sich der Recycling-Markt sehr schnell“, sagt Jan-Udo Kreyenborg, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens aus Münster, das Maschinen zur Aufbereitung von Kunststoffen herstellt. Für zusätzlichen Druck in China sorgen internationale Großkonzerne wie Nestlé oder Coca Cola. Sie bestehen neuerdings darauf, dass ein bestimmter Anteil der Verpackungen aus recyceltem Material besteht. Noch sind die chinesischen Maschinenbauer dazu nicht in der Lage, jedenfalls nicht so, dass sie den Qualitätsansprüchen ihrer internationalen Kunden genügten. Das ist auch der Grund, warum die chinesischen Kunden bereit sind, für Spitzentechnologie „Made in Germany“ entsprechend höhere Investitionskosten in Kauf zu nehmen. Neben der Qualität sind vor allem niedrigere Betriebskosten durch Energieeffizienz und/oder effizienten Materialeinsatz ein Argument für deutsche Maschinen und Anlagen.

Unterschiedliche Verfahren

Für das Recyceln von Kunststoffen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze: die werkstoffliche Verwertung und die rohstoffliche. Beim werkstofflichen Recyceln bleibt die Art des Kunststoffs erhalten. Der Abfall wird hier eingeschmolzen. Damit ist diese Verwertung auf die sogenannten Thermoplaste begrenzt, weil nur deren chemische Eigenschaften eine Verformung durch Temperatureinwirkung erlauben. Dazu gehören beispielsweise Polycarbonat oder Polyethylen. Die rohstoffliche Verwertung kommt bei den Duroplasten zum Einsatz. Dazu gehören etwa Kunstharze. Duroplaste können nicht verformt werden, also werden sie chemisch bis in ihre Molekülstrukturen zerkleinert und als Rohmaterial für eine neue Kunststoffproduktion verwendet.

Abfälle sind Wertstoffe, kein Müll

In vielen Teilen Europas sind die Zeiten vorbei, wo eine Kunststoffverpackung nach dem Öffnen auf dem Müll landete. Anderswo auf der Welt, zum Beispiel auf dem nordamerikanischen Kontinent ändert sich diese Gewohnheit nur langsam. Das könnte sich bald ändern. Ausgelöst durch den enormen Rohstoffhunger schnell wachsender Schwellenländer werden Rohstoffe überall knapp und damit teuer. Der Abfall wird zum wertvollen Rohstoff. „Es gibt weltweit einen großen Wunsch der Kunststoffverarbeiter nach preiswerteren Rohstoffen. Diesen Wunsch kann man nur mit Sekundärrohstoffen erfüllen“, sagt Werner Herbold, Geschäftsführer der Herbold Meckesheim GmbH, einem Anbieter von Recyclingtechnologie, der sich auf die Zerkleinerung von Kunststoffen spezialisiert hat. Besonders stark spürt Herbold die Nachfrage aus Ländern, in denen Recycling bislang nicht besonders interessant schien, beispielsweise in den USA, in Kanada oder im schnell wachsenden Mexiko. Für deutsche Recycling-Spezialisten ist der Markteintritt in solchen Märkten relativ leicht – im Unterschied zu Märkten mit einer starken Recycling-Tradition, wo das Geschäft schon aufgeteilt ist.

Faktor Erziehung

In Deutschland ist das Umweltbewusstsein nicht von selbst gewachsen. Die vorbildliche Recycling-Wirtschaft ist auch eine Folge regulatorischer Vorgaben: Einführung von Pfandsystemen, „Grüner Punkt“ oder anderer Abfallsammelsysteme. Solche Impulse gibt es außerhalb Europas wenig. In den USA wird neuerdings aber in manchen Bundesstaaten über die Einführung der so genannten EPR oder Expanded Producer Responsibility diskutiert, bei der der Hersteller eines Produkts auch für dessen Entsorgung verantwortlich gemacht wird. Der „Grüne Punkt“ ist im Kern auch ein EPR. Sollte das EPR in vielen Staaten der USA eingeführt werden, könnte das ein Anreiz für den Aufbau einer Sammlungs- und Aufbereitungsstruktur sein und damit eine neue Geschäftschance für deutsche Recycling-Technologien. „Deutschland hat durch seine frühe Einführung von Recycling-Systemen in vielen Teilen der Welt eine Vorbildfunktion. Beispielsweise nehmen wir in der Verfahrenstechnik zur Aufbereitung von Kunststoffflaschen oder zum Recycling von Elektroschrott eine Vorreiterrolle ein“, sagt Peter Mayer, Geschäftsführer der S+S Separation and Sorting Technology GmbH.

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