Vor Ort

Demag-CEO Gerd Liebig erkennt starkes Umweltbewusstsein sowohl in Deutschland wie in Japan

Die EU-Kommission hat in ihrem Aktionsplan Kreislaufwirtschaft Kunststoffe als einen von fünf Schwerpunktbereichen definiert. Der Plan ist ein Bekenntnis zur Vorbereitung einer Strategie, die die Herausforderungen von Kunststoff über die gesamte Wertschöpfungskette und den gesamten Lebensweg hinweg angehen will. Die im VDMA-Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen organisierten Unternehmen der Kunststoffindustrie gehen diesen Weg mit. Mit ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence stehen sie für verantwortliches und vorausschauendes Denken und Handeln. Sie erarbeiten heute schon Konzepte, wie sie sich in die Kreislaufwirtschaft einbringen können.

Gerd Liebig, CEO von Sumitomo (SHI) Demag, hier in einer Fakuma-Pressekonferenz (Foto: K-AKTUELL)

Anlässlich der Fakuma befragte der Maschinenbauverband VDMA in einer Interviewserie Top-Manager aus Mitgliedsunternehmen zum Thema „Kreislaufwirtschaft“. In diesem Interview stellt sich Gerd Liebig, Vorsitzender der Geschäftsführung des Spritzgießmaschinenherstellers Sumitomo (SHI) Demag mit Hauptsitz in Schwaig bei Nürnberg.

Welchen Beitrag kann Ihr Unternehmen zur Kreislaufwirtschaft leisten?

Gerd Liebig: Wir stellen sicher, dass ein Kunde auf unseren Maschinen alle Materialien verarbeiten kann, seien es Biokunststoffe, Thermoplaste oder auch Rezyklate aus ölbasiertem Kunststoff. Wenn uns ein Kunde sagt, welches Material er einsetzen möchte, dann tun wir alles, dass die Maschine optimal an die Kundenanforderungen angepasst wird. Für uns kommt es immer auf die Anforderungen oder die Anwendung an. Und da bieten wir mit unserer In-house Fertigung der Plastifizierkomponenten einiges an Know-how. Grundsätzlich haben wir aber nur bedingten Einfluss auf die Wahl des Materials. Wir sehen Kreislaufwirtschaft als einen Weg zu mehr Nachhaltigkeit an. Dieses Ziel verfolgen wir auch. Deshalb werden unsere Maschinen immer energieeffizienter und mit der Fokussierung auf elektrische Antriebe weniger störanfällig, energiesparender und damit nachhaltig ökologischer.

Ist dieser Aspekt ein Kaufargument für Ihre Kunden?

Liebig: Für unsere Kunden spielt die Effizienz einer Anlage eine zentrale Rolle. Dazu gehört neben der Vermeidung von Ausschuss auch die Anlagenverfügbarkeit. Unsere Kunden entscheiden sich für eine vollelektrische Maschine vor allem, weil sie sehr energieeffizient und sehr präzise ist. Wenn es um das Image des Kunststoffes geht, dann ist bereits ein nachhaltiger Verarbeitungsprozess von Bedeutung. Neben der Energieeinsparung ist auch der schonende Einsatz der Fertigungsanlage und ihrer Ersatzteile wichtig. Vollelektrische Maschinen laufen stabil, die Zahl der verbauten Teile ist deutlich geringer als bei hydraulischen Maschinen und der Umgang mit vollelektrischen Maschinen ist sauber, geräuscharm und energiesparend – und damit ökologisch und nachhaltig. Dann ist auch die Preisdifferenz, die bei vollelektrischen Maschinen je nach Einsatz zwischen fünf und 25 Prozent liegt, kein großes Problem mehr. Nachhaltigkeit ist ein enorm wichtiges Thema für unsere Kunden geworden. Das Image ist unseren Kunden wichtig, weil auch ihre Kunden wiederum immer stärker darauf schauen. Viele unserer Kunden, die Rezyklate einsetzen, machen das meistens mit Blick auf das Image.

In Deutschland steht es mit dem Image von Kunststoffen nicht gut. Sie stehen einem deutsch-japanischen Unternehmen vor. Wie sieht es denn in Japan aus?

Liebig: Die ökologische Orientierung der Wirtschaft ist in Japan und in Deutschland ähnlich hoch. So ist zum Beispiel der Grad der Mülltrennung in beiden Ländern weltweit führend. Auf der einen Seite ist man dort für dieses Thema sehr sensibilisiert, auf der anderen Seite ist man auch sehr diszipliniert und konsequent, wenn es darum geht, das Thema anzugehen und Ziele umzusetzen. Man ist sehr weit im Verständnis und auch sehr weit bei konkreten Maßnahmen. Es gibt zum Beispiel für Kunststoffe ein umfassendes Sammelsystem.

Dann ist die Politik in Japan der unsrigen voraus? Was müsste sie hier bei uns tun, um das Image von Kunststoff zu verbessern?

Liebig: Die Lösung augenfälliger Probleme hängt erst einmal vom individuellen Verhalten ab, dann muss die Politik Regeln schaffen und Maßnahmen treffen, damit diese eingehalten werden. Die Plastiktüte ist in öffentlichen Diskussion ein Symbol für das Kunststoffmüll-Problem schlechthin. Es müsste Regeln für die Verwendung von Rezyklaten geben. Wenn seitens der Politik andere Anforderungen an uns als Unternehmen gestellt werden, können wir die sicherlich problemlos umsetzen, solange sie alle treffen. Es wäre nur dann kritisch, wenn der Kunststoff dadurch so teuer würde, dass die Nachfrage nach Kunststoff schrumpfte. Aber das sehe ich nicht. Wenn man das Negativ-Image ablegt, könnte man endlich die großen Vorteile von Kunststoff thematisieren, etwa den Leichtbau in der Automobilindustrie. Oder in der Medizintechnik die preisgünstige Herstellung von medizintechnischen Geräten oder Medizinprodukten zur Vorsorge, die es möglich macht, dass sich die Gesundheitsversorgung auch in Wachstumsländern weiterentwickeln kann.

Warum sehen Kunststoffverarbeiter Rezyklate oft kritisch?

Liebig: Es gibt drei Einschränkungen beim Einsatz von Rezyklaten. Die erste betrifft die Optik, die zweite die Funktionalität und die dritte die Wirtschaftlichkeit. Wenn man Rezyklate einsetzt, hat man häufig optische Einbußen. Zwar gibt es schon Möglichkeiten, diese Einbußen zu kaschieren durch eine zusätzliche Oberflächengestaltung, aber das ist noch die Ausnahme. Auch bei der Funktionalität gibt es beim Einsatz von Rezyklaten Einbußen. Es besteht die Gefahr, dass der Kunststoff an Homogenität verliert. Immer dann, wenn der Kunststoff nicht ganz sortenrein ist, könnte es Probleme in der Stabilität des Bauteils geben.

Das Hauptthema ist der Preis und damit die Wirtschaftlichkeit. Es wird oft on unseren Kunden infrage gestellt, ob sich Rezyklate tatsächlich rechnen oder auch der Einsatz von Biokunststoffen. Auch hier wäre die Politik gefordert. Sie müsste Anreize für den Einsatz von Rezyklaten oder Biokunststoffen schaffen. In der Automobilindustrie hat sie viel zu spät auf den Leichtbau gesetzt und die Entwicklung entsprechend zu spät gefördert. Erst allmählich geht es dort in Richtung leichtere Autos mit Elektroantrieben, um Energie einzusparen. Das sehe ich bei der Förderung von Rezyklaten oder der Förderung von Biokunststoffen derzeit nicht.

www.sumitomo-shi-demag.eu; plastics.vdma.org