Vor Ort

Engel rechnet mit 10 % Wachstum und investiert kräftig weiter

Angesichts der Fülle von Fakuma-Neuheiten bei Engel Austria mussten sich CEO Dr. Stefan Engleder und CSO Dr. Christoph Steger in ihrer Pressekonferenz am Mittwoch stark fokussieren. Man erlebe seit Jahren eine „unglaublich gute Zeit“, gab der österreichische Spritzgießmaschinen-Weltmarktführer zu Protokoll: „Gute Laune, gute Stimmung und lange Lieferzeiten“ seien Anzeichen für eine „fast überhitzte Situation“, diagnostizierte Engleder, die ganze Branche müsse sich auf „signifikante Materialpreissteigerungen“ einstellen. Engel seinerseits will mit Debottlenecking und Investitionen in neue Kapazitäten schon 2018 die Lieferzeiten wieder senken. Für das aktuelle Geschäftsjahr (bis 31. März 2018) rechnet Engel mit einem Umsatz von rund 1,5 Mrd. EUR, das sind 10 % mehr als zuletzt (1,36 Mrd. EUR).

Dr. Stefan Engleder, CEO bei Engel Austria (Foto: K-AKTUELL)

Um der weltweit steigenden Nachfrage gerecht zu werden, startete Engel bereits vor mehr als drei Jahren das umfangreichste Investitionsprogramm in der Geschichte des Unternehmens. Insgesamt werden bis 2020 über 375 Mio. EUR allein in die Produktionswerke investiert. „Die ersten Projekte mit einem Gesamtvolumen von fast 120 Mio. EUR sind abgeschlossen“, so Engleder. „Wir arbeiten weiter mit voller Kraft daran, die Ausbaumaßnahmen zügig voranzutreiben und passen die Pläne und Prioritäten immer wieder aufs Neue an die Gegebenheiten an.“

Vom robusten, ununterbrochenen Wachstum der Kunststoff verarbeitenden Industrie seit nunmehr zehn Jahren profitierte Engel überproportional. „Wir konnten sowohl in allen Regionen als auch allen relevanten Branchen weiter zulegen“, so Engleder. Mit 55 % macht Europa den Löwenanteil des Umsatzes aus. In Amerika erwirtschaftet Engel aktuell 24 und in Asien 20 % seines Umsatzes.

Engel schafft weltweit neue Stellen

Industrie 4.0 gehört für Engel weltweit zu den stärksten Wachstumstreibern, was sich in den Präsentationen auf der Fakuma 2017 deutlich widerspiegelt. Dabei geht es nicht nur um Veränderungen in den Fertigungsprozessen sondern auch um ganz neue Formen der Zusammenarbeit, wie Stefan Engleder deutlich macht: „Wir begleiten unsere Kunden immer stärker über den gesamten Lebenszyklus der Spritzgießmaschinen und Fertigungszellen. Hierbei geht es unter anderem um eine noch intensivere Beratung in der Projektierung von Fertigungslösungen, um neue Möglichkeiten im After-Sales-Service, wie die vorausschauende Instandhaltung, um die kontinuierliche Prozessoptimierung sowie die flexible Anpassung der Fertigungslösungen an sich verändernde Aufgaben. Um diese Anforderungen zur vollsten Zufriedenheit unserer Kunden erfüllen zu können, benötigen wir in Zukunft noch mehr hochqualifizierte und engagierte Mitarbeiter als heute.“

Die Richtung, in die sich die Zusammenarbeit zwischen Engel und seinen Kunden entwickelt, erklärt, weshalb gerade die Bereiche Service und Anwendungstechnik personell wachsen. Darüber hinaus ist es die Informationstechnologie, für die Engel verstärkt weitere Mitarbeiter einstellt. Konkret sind für die drei österreichischen Standorte aktuell 120 zusätzliche Stellen ausgeschrieben. In Deutschland sind es 20. Bis zum Ende des Geschäftsjahres im März 2018 wird Engel weltweit voraussichtlich 6.400 Menschen beschäftigen.

Nachfrage nach integrierten Systemlösungen steigt weiter an

Dr. Christoph Steger, CSO bei Engel Austria (Foto: K-AKTUELL)

Weitere technologische Wachstumstreiber sind die voranschreitende Materialsubstitution in Hightech-Anwendungen, wie im Automobilbau oder der Medizintechnik, sowie der Leichtbau in den Branchen Automobil und Teletronics.

Die technologischen Trends gehen einher mit einem weiter steigenden Prozessintegrations- und Automatisierungsgrad, der wiederum zu einer stärkeren Nachfrage nach integrierten Systemlösungen aus einer Hand führt. „Die zunehmende Komplexität der Prozesse gehört zu den großen Herausforderungen der Verarbeiter. Unsere Aufgabe ist es, mit zunehmender Komplexität für noch mehr Transparenz und Übersicht zu sorgen und sicherzustellen, dass sich auch komplexe Prozesse einfach steuern und kontrollieren lassen“, macht Christoph Steger deutlich. „Engel ist mit seiner sehr hohen Systemlösungskompetenz und einem umfangreichen eigenen Automatisierungs-, Peripherie‑, Technologie- und Industrie-4.0-Programm optimal für diesen Trend gerüstet. Der Anteil an integrierten Systemlösungen im Auftragseingang steigt weiter an, und dies ist ganz klar ein weltweiter Trend.“ So lässt das Systemgeschäft Engel auch in Asien weiterwachsen, während viele Anbieter, die sich rein auf Maschinen fokussieren, dort Umsatzrückgänge verbuchen.

Fertigungskapazitäten werden aufgestockt

Das größte laufende Bauprojekt ist die Erweiterung des Großmaschinenwerks in St. Valentin. Im Sommer dieses Jahres wurde ein erster Meilenstein erreicht und eine zusätzliche Produktionshalle in Betrieb genommen. Diese vergrößert die Montagefläche um mehr als 4.000 qm und bietet darüber hinaus Platz für weitere Büros. In einem nächsten Schritt entstehen ab dem Frühjahr 2018 am Standort ein neues Verwaltungsgebäude und ein neues Kundentechnikum. Im Zuge dieses Ausbauschritts wird auch das in St. Valentin angesiedelte Technologiezentrum für Leichtbau-Composites vergrößert.

Im Ranking der größten Baumaßnahmen in der Engel Gruppe folgt nach St. Valentin der Stammsitz Schwertberg mit 73 Mio. EUR Volumen. Seit dem Sommer befindet sich neben dem Haupteingang eine Großbaustelle. Dort wird bis zum Herbst 2018 die 2013 errichtete Fertigungshalle Nord um 11.500 qm erweitert und ebenfalls ein neues, deutlich größeres Kundentechnikum gebaut. Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte Engel in Schwertberg die Erweiterung des Technologiezentrums im Süden des Werksgeländes abgeschlossen. Dort sind 10.000 qm zusätzliche Nutzfläche für Büros, die Lehrwerkstätte und eine Krabbelstube entstanden. Die Kleinkinderbetreuung im eigenen Haus ist ein neues Angebot von Engel, das bei den Mitarbeitern auf so große Resonanz stößt, dass inzwischen bereits eine zweite Betreuungsgruppe eröffnet wurde. Von der Redaktion der Zeitschrift Woman wurde Engel im Juni als eines der familienfreundlichsten Unternehmen in Österreich ausgezeichnet.

Parallel zum Großmaschinenwerk St. Valentin wurde auch in Shanghai die Kapazität aufgestockt. Pünktlich zum 10-jährigen Werksjubiläum konnte Engel im September die neuen Gebäudekomplexe mit einem großen Festakt eröffnen. In Shanghai wurde zum einen das bestehende Bürogebäude verlängert, um zusätzliche 1.000 qm Nutzfläche zu schaffen. Zum anderen wurde eine neue Fertigungshalle errichtet, die die Großmaschinenproduktion um 1.600 qm erweitert. Auch die Lehrwerkstätte befindet sich jetzt im Neubau. Sie ist deutlich größer als die vorherige, denn seit Beginn des Ausbildungsprogramms von Engel in China vor vier Jahren ist die Zahl der Lehrlinge deutlich gestiegen. Derzeit werden in Shanghai 45 junge Menschen in drei technischen Berufen ausgebildet.

Engel in Deutschland stärkt Anwendungstechnik und Kompetenz für „inject 4.0“

Deutschland ist weiterhin einer der umsatzstärksten Märkte der Engel Gruppe. Engel konnte hier über die letzten fünf Jahre seinen Umsatz um 50 % steigern. Hierzu tragen vor allem zwei Faktoren bei, wie die Engel Geschäftsführer ausführen. „Deutschland ist nach wie vor der technologisch am weitesten vorangeschrittene Markt und damit der größte Innovationstreiber“, betont Dr. Christoph Steger, CSO der Engel Gruppe. „Hinzu kommt, dass die deutschen Unternehmen ihre globale Expansion weiter vorantreiben.“

Aktuell beschäftigt Engel in Deutschland mehr als 300 Mitarbeiter, mit weiter steigender Tendenz. Das Engel Deutschland Technologieforum Stuttgart – die jüngste der vier deutschen Niederlassungen – hat sich seit seiner Eröffnung im April 2013 personell mehr als verdoppelt. Vor allem für die Bereiche Service, Projektabwicklung und Anwendungstechnik wurden in jüngster Zeit neue Mitarbeiter eingestellt. Die Anwendungstechnik spielt im Technologieforum Stuttgart eine besonders wichtige Rolle, denn das Technikum ist deutlich größer als in den meisten anderen Niederlassungen. Seit September dieses Jahres verfügt der Standort über ein MuCell-Kompetenzzentrum. Eine große Anlage zum Schaumspritzgießen steht in Stuttgart nun dauerhaft für Kundenversuche, Entwicklungsarbeiten und Schulungen zur Verfügung. Im Kompetenzzentrum beschäftigt Engel in Stuttgart einen eigenen MuCell Technology Expert.

Den Investitionsschwerpunkt in Deutschland bildet im laufenden Geschäftsjahr die Niederlassung Hannover – mit 80 Mitarbeitern eine der weltweit größten Vertriebs- und Serviceniederlassungen von Engel. Im Mai wurde die deutlich erweiterte und modernisierte Niederlassung eröffnet. Rund 5 Mio. Euro investierte Engel in seinen nördlichsten deutschen Standort. Die Kunden in Hannover profitieren von der Verdoppelung der Nutzfläche vor allem durch das deutlich größere Technikum und den erweiterten Veranstaltungs- und Seminarbereich. Im neuen interaktiven Technikum finden auch Großmaschinen mit Schließkräften bis 7.000 kN Platz. Neben wechselnden Exponaten bilden die Themen Leichtbau und inject 4.0 zwei feste Ausstellungsschwerpunkte. Parallel zu Hannover hat Engel auch in seinem Technologie- und Automatisierungszentrum in Hagen einen inject 4.0 Hotspot eröffnet. Ziel ist es, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung besonders anschaulich vermitteln und alle inject 4.0 Produkte von Engel live demonstrieren zu können.

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