Vor Ort

Erema-CEO Manfred Hackl sieht die gesamte Kunststoffkette in der Pflicht

Anlässlich der Fakuma befragte der Maschinenbauverband VDMA in einer Interviewserie Top-Manager aus Mitgliedsunternehmen zum Thema „Kreislaufwirtschaft“. In diesem Interview stellt sich Manfred Hackl, Geschäftsführer des österreichischen Recyclinganlagenherstellers Erema mit Sitz in Ansfelden bei Linz.

Erema-CEO Manfred Hackl, hier auf der K 2016 in Düsseldorf (Foto: K-AKTUELL/K-PROFI)

Nimmt die Menge an recyceltem Kunststoff zu?

Manfred Hackl: Die Mengenströme sind bei Kunststoff durch die Weiterverbreitung und durch den steigenden Einsatz in immer mehr Bereichen grundsätzlich überall gestiegen. Dadurch muss auch das Recycling erhöht werden, um wiederum die Recyclingquoten zu erfüllen. Auch hier gibt es eine Zunahme zu beobachten, aber leider nicht in dem Maße, wie es sein sollte. Darum sind viele Initiativen von Beteiligten entlang der Kunststoffkette gefragt, um die Kreislaufwirtschaft noch weiter zu erhöhen – sei es von Seiten der europäischen Gesetzgebung, und auch von bewussten Verbrauchern.

Das Ausgangmaterial sind Waschschnitzel (Foto: Erema)

Ohne politische Vorgaben wäre das nicht zu erreichen?

Hackl: Gesetzliche Vorgaben sind hilfreich, weil man dadurch erreichen kann, dass zum Beispiel die großen Markenartikelhersteller einen Fokus auf die Kreislaufwirtschaft setzen. Letztendlich geht es darum, dass sie mehr Regranulat einsetzen. Ein politischer Rahmen hilft aber auch dabei, dass die gesamte Kunststoffindustrie gemeinsam Produkte und Prozesse entwickelt, mit denen der Kreislauf immer weiter geschlossen werden kann. Das geht nicht nur, indem man die Recyclingrate erhöht, es muss auch der Absatzmarkt für das Regranulat erweitert werden. Sonst droht ein Preisverfall im Regranulat, was dann keinem in der Wirtschaft hilft. Das geht nur, wenn die Verarbeiter mehr Regranulat einsetzen und deren Kunden, die Markenartikelhersteller die Vorteile auch offen kommunizieren. Sie müssen sagen, ja, meine Verpackungen haben Regranulat-Anteil.

Der Impuls müsste also vom Markenartikelhersteller ausgehen?

Hackl: Auf den Markenartikelhersteller kommt es an. Ich nehme immer gerne das Beispiel von PET-Flaschen. Bei PET ist die Recyclingquote schon sehr hoch, der Kreislauf schon sehr hoch geschlossen. Vor 15 oder 20 Jahren haben die großen Getränkehersteller ein Bekenntnis für das Recycling abgegeben. Damit haben sie überhaupt erst einen Markt für Regranulat geschaffen. Und erst danach sind die Sammelsysteme entstanden, was in der Folge die Recyclingkapazitäten erhöht hat. Zugegebenermaßen ist die PET-Flasche auch ein sehr gut recyclingfähiges Produkt. Auch für andere Kunststoffe, etwa die Polyolefine müssten verstärkt solche Produkte geschaffen werden.

Das Rezyklat (Foto: Erema)

Wie stehen denn die Markenartikelhersteller dazu?

Hackl: Wir senden klare Zeichen aus, dass sie dazu bereit sind. Inzwischen gibt es beispielsweise einen Staubsauger, der aus Regranulat besteht. Das macht der Hersteller nicht versteckt, sondern ganz offensiv, weil er zeigen will, dass er auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft setzt. Gerade auch bei den großen Brands ist Bewegung in dieser Frage festzustellen. Dieses Umdenken ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, etwa auf CO2-Einsparungsmöglichkeiten oder auch die Maßnahmen der EU beim Thema Kreislaufwirtschaft.

Politischer Druck ist wichtig, sagen Sie. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit, sozusagen als öffentlicher Druck?

Hackl: Das ist ein Druck, der sich in den letzten Jahren stark erhöht hat. Das liegt auch an den Bildern von Plastikmüll im Wald oder auf den Meeren. Der Kunststoff hat dadurch in der Bevölkerung ein negatives Image bekommen. Hier ist die gesamte Kunststoffindustrie gefordert, Maßnahmen zu ergreifen oder vorzuschlagen, um aktiv das Image von Kunststoff zu verbessern. Es wird immer vergessen, welchen Nutzen er für unsere Gesellschaft hat. Man denke nur an die Medizintechnik, leichtere Autos dank Kunststoff-Teilen oder die hygienischere Verpackung von Lebensmitteln. Wir hätten unseren hohen Lebensstandard nicht, wenn wir den Kunststoff nicht hätten.

Hat die Kunststoffindustrie schon alle Technologien, um den Kreislauf komplett zu schließen?

Hackl: Das zu behaupten, wäre vermessen. Aber mit den Technologien, die heute schon am Markt existieren, könnte man den Kreislauf schon viel mehr schließen. Man bräuchte keine neuen Technologien, um doppelt oder drei Mal so viel Regranulat zu produzieren. Andererseits bedeutet dies für uns natürlich keinen Entwicklungsstopp. Vor drei oder vier Jahren konnte man sich noch nicht vorstellen, dass man Rezyklat in einer solchen Qualität herstellen kann, dass man es fast wie Neuware einsetzen kann. Heute ist das schon Stand der Technik.

Das Endprodukt sind Stabilo-Stifte aus Rezyklat (Foto: Schwan-Stabilo)

Welche Marktchancen ergeben sich daraus?

Hackl: Es gibt Marktchancen für alle Beteiligten. Nicht nur für die Recyclingindustrie, sondern für die gesamte Kunststoffindustrie. Denn ich bin überzeugt, dass ein geschlossener Kreislauf dem Kunststoff-Image einen positiven Schub bringt.

Wie wichtig ist ein recyclingorientiertes Produktdesign?

Hackl: Das ist sehr sinnvoll. Die PET-Flasche ist auch hier ein Vorzeigeprodukt. Man hat dort zum Beispiel die schwer zu recycelnden Klebstoffe und Etiketten gegen solche ersetzt, mit denen das einfacher ist. Solche guten Ansätze sollten Nachahmer in anderen Bereichen finden. Wichtig ist bei allem nur, dass die Funktionalität nicht verloren geht. Wem nützt es etwas, wenn eine Folienverpackung ein Lebensmittel nicht mehr hinreichend schützen kann, sie aber sehr gut zu recyceln wäre. Aber ich sehe vielversprechende Ansätze. Es gibt schon Neuwarehersteller, die ein Produkt nicht mehr mit einer Multi-Layer-Schicht, sondern mit einer viel leichter zu recycelnden Single-Layer-Schicht herstellen. Bei Beibehaltung der vollen Funktion, versteht sich.

Erema beteiligt sich am Ceflex-Projekt. Was versprechen Sie sich davon?

Hackl: Ceflex ist ein Konsortium aus europäischen Unternehmen der Kunststoffindustrie, die alle aus dem Bereich der flexiblen Verpackung kommen. Es sind Rohwarehersteller dabei, Verarbeiter, Endkunden und Recycler. Ziel ist es zu zeigen, dass der Produktkreislauf auch bei flexiblen Verpackungen, wie mit Folie, möglich ist. Selbst einige in unserer Industrie glauben noch, man könne alle möglichen Kunststoffe recyceln, Folien aber nicht. Das stimmt nicht. Wir wollen zeigen, was schon geht, und wir wollen uns gemeinsam weiterentwickeln. Auch mit diesem Projekt möchten wir das Image von Kunststoff weiter verbessern. Wir könnten hier als europäische Industrie gemeinschaftlich zeigen, wie man im Kunststoff den Kreislauf schließt. Wir können Innovationen in der Kunststoffindustrie weiter vorantreiben.

www.erema.com; plastics.vdma.org