Vor Ort

KI Group Summit auf der Fakuma zog knapp 200 Besucher an

Neue Informationstechnologien, Regulierungen, innovative Anwendungen – Kunststoffverarbeiter stehen zurzeit vor vielfältigen Herausforderungen. Beim „KI Group Summit” auf der „Fakuma 2017″ diskutierten hochkarätige Branchenexperten die Trends von Industrie 4.0 über REACH bis zu E-Mobility und automatischem Fahren.

In der Kunststoffverarbeitung liegen im Bereich Industrie 4.0 noch zahlreiche Chancen offen, erläuterte Prof. Dr. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen den knapp 200 Fachbesuchern. Dabei gebe es keine generellen Branchenlösungen, vielmehr müsse jedes Unternehmen für sich eine Strategie finden. Am Beispiel des Spritzgießens erläuterte Hopmann, wie Fertigungsprozesse beschleunigt werden können, indem Abläufe elektronisch simuliert werden. Die mehrfache Anfertigung von Werkzeugen etwa könne durch Simulationen meist umgangen werden.

Der KI Group Summit auf der Fakuma zog fast 200 Gäste an (Foto: K-AKTUELL)

Anschließend plädierte Ton Emans, President Plastics Recyclers Europe (PRE) und Recycling-Verantwortlicher bei CeDo Recycling für eine EU-weite Vereinheitlichung bei Sammel-, Sortier- und Wiederaufbereitungssystemen für Kunststoffe. Vor allem aber müsse sichergestellt werden, dass Produkte rezyklierbar hergestellt werden, betonte der Experte. „Der Erfolg des Recyclings ist abhängig von der Reinheit des Materials”, sagte Emans, und sprach sich für ein Anreizsystem oder aber stärkere Auflagen, Steuern oder auch Abgaben als Steuerungsinstrumente für die Branche aus.

Bernd Sparenberg, Leiter Technische Compounds bei Albis Plastic hob die wachsende Bedeutung der Materialvielfalt hervor. Für Compoundeure ergebe sich hieraus die Chance, gemeinsam mit den Kunden Produktentwicklungen voranzutreiben, um für neue Anwendungen wie etwa dem Leichtbau optimierte Werkstoffe zu entwickeln.

Werner Balandat, Senior Vice President Corporate Production bei ZF Friedrichshafen, erläuterte die Ausrichtung des Unternehmens auf emissionsarme Fahrzeuge und Sicherheit. Die als „Vision Zero” deklarierte Strategie des Automobilzulieferers beinhaltet, die Fertigung auf Komponenten auszurichten, die dazu beitragen, den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr möglichst auf Null zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit so voranzutreiben, dass die Zahl der Unfälle sinkt. Die Fertigung von Bremsen, Antrieben und anderen Komponenten gehört zu den Schlüsselkompetenzen des Unternehmens auf dem „Weg Richtung Vision Zero”, sagte Balandat, und bekräftige, dass ZF mit anderen Playern in der Automobilbranche Partnerschaften vorantreibe.

Der Werkstoff PA 6 wird eine immer wichtigere Rolle in High Performance-Anwendungen spielen und PA 6.6 bei verschiedenen Anwendungen verdrängen, zeigte sich Dr. Axel Tuchlenski, Head of Global Product & Application Development bei Lanxess Deutschland, überzeugt. Das Unternehmen habe das Material beispielsweise für die Herstellung von Ölwannen einem Langfristtest unterzogen und eine hervorragende Beständigkeit festgestellt, erläuterte Tuchlenski. Traditionelle Anwendungen wie der Verbrennungsmotor werden nicht sofort zusammenbrechen, allerdings werden gerade im Bereich der Elektromobilität „jetzt die Claims gesteckt für die nächsten Jahre”, erläuterte der Experte für Produktentwicklung die Einschätzung des Unternehmens.

Abschließend betonte Daniel Stricker als Chefredakteur und Head of Market Research bei der KI Group, dass die befürchtete Knappheit am PP-Markt ausbleiben werde. Zwar hat der Boom bei Shale Gas und Shale Oil in den USA weltweit zu großen Verwerfungen entlang der petrochemischen Wertschöpfungskette geführt. Die massiven Propangasvorkommen ermöglichen es den USA aber, immer größere Mengen zu exportieren. In den großen PP-Anwenderregionen der Welt wie China, Indien und Europa habe man sich darauf eingestellt, denn in diesen Regionen werden bereits Anlagen für die PP-Erzeugung aus Propangas gebaut. Insofern habe sich die PP-Produktion zwar von der PE-Erzeugung entkoppelt, eine Marktenge ist aber angesichts der Adaption im Herstellungsverfahren nicht zu erwarten, betonte Stricker.

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