Vor Ort

Sandra Füllsack schätzt das Familiäre an der Fakuma

Seit Anfang des Jahres ist sie Vorsitzende des Fakuma-Ausstellerbeirates, dem auch Bernd Schäfer (Deifel Buntfarbenfabrik), Dr. Christoph Schumacher (Arburg), Dr. Christoph Steger (Engel Austria) und Georg Tinschert (Wittmann-Battenfeld) angehören: Sandra Füllsack, geschäftsführende Gesellschafterin der Motan Holding GmbH in Konstanz, ist in dieser Funktion ihrem in den Ruhestand getretenen Geschäftsführungskollegen Ulrich Eberhardt gefolgt. K-PROFI besuchte sie vor der Fakuma am Sitz von Motan in Konstanz.

Sandra Füllsack: Seit dem Einstieg ihres Vaters Ralf Schneider bei motan im Jahr 1967 ist der Hersteller von Materialmanagementsystemen für die Kunststoff herstellende und verarbeitende Industrie im Familienbesitz. Sandra Füllsack ist Rechtsanwältin und Mediatorin. Von ihrer Gesellschafterverantwortung bei Motan ist sie 2007 als Sprecherin der Gruppengeschäftsführung in das operative Geschäft gewechselt und steht der Gruppe seit dem Ausscheiden von Ulrich Eberhardt Anfang 2017 alleine vor. Seit 2015 ist Sandra Füllsack Vorstandsmitglied des Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. In der Bodenseeregion ist sie zudem vielfältig gesellschaftlich engagiert (Foto: Motan Holding).

K-AKTUELL: Frau Füllsack, 1981 ein Start mit 60 Ausstellern, zur 25. Auflage im Herbst 2017 fast 1.900 Aussteller. Trotz eines neuen und erweiterten Messegeländes kann die Fakuma die Nachfrage seit Jahren nicht befriedigen.

Sandra Füllsack: Die Messe brummt, ist immer überbucht, die Buchungszahlen sind exzellent. Die Fakuma an sich ist in der Tat eine rundum gesunde Veranstaltung.

Eine komfortable Position für eine Messebeirätin.

Die ausgezeichnete Situation der Fakuma kommt ja nicht von ungefähr. Wie mir meine dienstälteren Kollegen berichtet haben, hat Herr Schall als Veranstalter den Beirat immer sehr ernst genommen, die Fakuma nach den Bedürfnissen der Kunststoffindustrie aufgebaut, weiterentwickelt und mit breiter Akzeptanz von Besuchern und Ausstellern stets auf Wachstumskurs gehalten.

Wie sehen Sie die Fakuma positioniert zwischen den international beachteten Events und den Regionalmessen?

Die K auf deutschem Boden ist unangefochten, die anderen großen Messen in China und den USA auch. Die Fakuma ist eine europäische, überregionale, aber weitgehend deutschsprachige Messe. Sie ist nach der K die wichtigste europäische Messe rund um das Spritzgießen und informiert zudem über Extrusionstechnik, Thermoformen und 3D-Printing.

Herr Schall ist leider im letzten Jahr verstorben. Welche Vorstellung hat der Beirat von der zukünftigen Rolle der Fakuma?

Der Beirat sieht und setzt den Fokus ganz besonders auf das Spritzgießen und die Peripherietechnik, die Werkstoffe dazu sowie das Recycling. Hier nimmt die Fakuma heute schon eine Spitzenposition ein.

Eine klare Position, aber ein engerer Fokus als zuletzt wahrzunehmen war.

Die Fakuma muss sich auf ihre Kernthemen konzentrieren, und der Beirat will das forcieren. Sie soll nicht nur eine Verkaufsmesse, sondern auch eine Kommunikationsmesse mit vielen Innovationen bleiben und eine Plattform sein für technische Weiterentwicklungen, aber mit dem Prinzip „Qualität vor Quantität“.

Was macht die Fakuma für Sie zu einer besonderen Messe?

In Friedrichshafen herrscht ein offener, neutralerer Umgang als beispielsweise auf der K, auch eine ruhigere Umgebung. Die K-Messe ist die weltweite Leitmesse für die Kunststoffherstellung und -verarbeitung. Allein von der Weitläufigkeit und Vielzahl der Themengebiete mag sie manchen Besucher überwältigen. Auf der Fakuma haben die Besucher mehr Zeit für Gespräche. Die Aussteller können ihre Kunden viel intensiver betreuen, mit Interessenten konkrete Projektgespräche führen, sich mit Partnern in angrenzenden Disziplinen unterhalten und sich auch einmal mit dem Wettbewerb austauschen.

Regionalmessen insgesamt sind schon mal erfolgreicher gewesen in Europa …

Vor 30 Jahren gab es überall in Europa regionale Messen, die so gut wie alle erfolgreich gelaufen sind. Dann kam eine Konsolidierung: In den etablierten Märkten schwächelten die Veranstaltungen, in Osteuropa kamen zwar ein paar neue hinzu, dennoch waren die meisten Regionalmessen fast totgeglaubt. Aber Totgeglaubte leben länger: Einige Regionalmessen kommen wieder hoch und gewinnen an lokaler Bedeutung. Ich finde das faszinierend, und das ist auch gut so: Die „Plastpol“ in Kielce läuft kontinuierlich gut, die „Plast“ in Mailand gewinnt wieder an Bedeutung, und auch kleinere Messen wie die „Swiss Plastics“ in Luzern haben ihre Berechtigung. Die Fakuma hat trotzdem aus meiner Sicht den Rang oben drüber.

Eigentlich müssten die digitalen Informationsmöglichkeiten die Messen entlasten …

Klar, das tun sie auch. Heute bekommen wir viele wesentliche Auskünfte über das Internet: Informationen zum Produkt, zu Eigenschaften, zur Leistungsfähigkeit, zum Einsatzgebiet. Aber warum kommen die kleinen Messen wieder hoch? Warum kommt „Retro“ so hoch? Weil der Kunde eine Beratung möchte und ein Gespräch, ein Fachgespräch führen will. Dazu muss er sich wichtig genommen fühlen – auch auf der menschlichen Ebene. Die globale Vernetzung braucht lokale Beziehungen, braucht das Gefühl, etwas Vertrautes zu finden. Es braucht das Vertrauen der Menschen ineinander, die Geschäfte miteinander machen. Das ist die besondere Chance einer regionalen Messe.

Sie haben einen Beleg für die These?

Meine Schweizer Motan-Kollegen hatten nach der „Swiss Plastics“ erfreulich hohe Auftragseingänge. Ich bin überzeugt: Die Kunden honorieren das persönliche Gespräch mit lokalen Ansprechpartnern und die kompetente Beratung in einer familiären Atmosphäre. Es reden eben gerne Schweizer mit Schweizern. Für uns ist wichtig, dass der Kunde versteht, was er davon hat, wenn er für gute Technologie und überzeugenden Service einen hohen Preis bezahlt. Gleiches gilt für Friedrichshafen: Deshalb ist die Fakuma ein so familiärer Kunststoff-Marktplatz.

Ein Blick nach vorn: Wie sehen Sie die Zukunft der Fakuma?

Die Fakuma ist eine gewachsene Struktur, die Ausstellerakzeptanz ist extrem hoch. Als Sprecherin des Beirats werde ich alles daransetzen, dass dieses einzigartige Produkt Fakuma erhalten bleibt. Alle großen Unternehmen stehen zur Fakuma, das Commitment ist 100 Prozent. Die Fakuma als Plattform hat eine Riesenchance. Nehmen Sie das Beispiel „Circular Economy“: Wo könnte man ein drängendes Thema wie dieses besser diskutieren als in Friedrichshafen? Jeder kommt im Herbst gerne an den See.

Für Sie ist der Standort Friedrichshafen konstitutives Element der Erfolgsgeschichte?

Absolut. Aus meiner Sicht ist die Fakuma nicht verpflanzbar. Ich kenne viele, die sich auf den See freuen.

Sie leben und arbeiten am Bodensee. Für andere ist der Weg nach Friedrichshafen lang und der Stau garantiert …

Ja, auch die Erreichbarkeit über den Flughafen Friedrichshafen war schon einmal besser. Aber Sie dürfen eine Messe nicht nur nach ihrer Infrastruktur beurteilen. Die Leute kommen doch gerne an den Bodensee. Hier macht Messe einfach Spaß.

Worauf freuen Sie sich bei der Fakuma besonders?

Auf kompetente Gesprächspartner. Für uns als Aussteller ist die Fakuma ideal, um unser ganzes Know-how an den Besucher und die geballte Kompetenz zum Kunden zu bringen.

Wir sind gespannt, was die 2017er Messe bringt. Vielen Dank, Frau Füllsack.

www.motan.com; plastics.vdma.org

Die Fragen stellte K-AKTUELL-Chefredakteur Markus Lüling.