Vor Ort

Stefan Kaiser von Vecoplan fordert Akzeptanz für Rezyklate

Anlässlich der Fakuma befragte der Maschinenbauverband VDMA in einer Interviewserie Top-Manager aus Mitgliedsunternehmen zum Thema „Kreislaufwirtschaft“. In diesem Interview stellt sich Stefan Kaiser, Leiter des Geschäftsbereichs Recycling der Vecoplan AG in Bad Marienberg, die allerdings in Friedrichshafen nicht zu den Ausstellern zählt.

Welche Bedeutung hat die Kreislaufwirtschaft für Vecoplan?

Stefan Kaiser: Die Kreislaufwirtschaft ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Sie wird helfen, das Gesamtimage der Kunststoffbranche zu verbessern, vom Erzeuger über den Verarbeiter bis zum Recycler. Wir müssen einfach ein Verständnis dafür entwickeln, dass wir nachhaltig mit Kunststoffen umgehen müssen. Für uns bei Vecoplan ist Kreislaufwirtschaft wichtig, weil ein großer Teil unseres Geschäfts im Bereich Recycling und Abfallbehandlung liegt. Wir streben schon lange danach, wertvolle Rohstoffe wieder in den Kreislauf eingebringen zu können.

Stefan Kaiser leitet den Geschäftsbereich Recycling bei Vecoplan (Foto: Vecoplan).

Bei Glas, Metallen oder Altpapier liegt die Recyclingquote über 90 Prozent. Bei Kunststoffen liegt sie deutlich niedriger. Wieso ist es vergleichsweise schwierig, Kunststoffe zu recyceln?

Kaiser: Wir haben einen breiten Mix von Kunststoffen, die in den Kreislauf hineingegeben werden. Wir haben oft Materialien, die nicht aus einem Monopolymer bestehen, sondern aus mehreren Kunststoffen. Man denke zum Beispiel an Mehrschichtfolien. Dabei werden verschiedene Kunststoffe in einem Produkt vermischt. Je mehr Verbunde man schafft, desto schwieriger wird es, diese Verbunde voneinander zu trennen. Entsprechend schwierig und teuer wird dann das Kunststoffrecycling. Deswegen ist es so wichtig, schon beim Produktdesign an die Rezyklierfähigkeit zu denken. Man könnte beispielsweise eine Folie etwas dicker machen, dafür aber nur einen Kunststoff nehmen. Wenn man stattdessen mehrere Lagen verschiedener Kunststoffe verwendet, um besonders dünn zu sein und wenig Materialeinsatz zu haben, ist das Recyceln entsprechend schwierig.

Das macht die Folie dann aber möglicherweise teurer.

Kaiser: Wir müssten die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts betrachten. Recyclingkosten gehören in eine solche Betrachtung mit hinein. Dann wird sehr schnell deutlich, dass man zwar hocheffizient in der Herstellung sein kann, aber insgesamt nicht effizient ist, weil das Recycling viel aufwändiger wird. Jeder, der Kunststoffprodukte auf den Markt bringt, sollte sich darüber Gedanken machen, wie nachhaltig seine Produkte eingesetzt werden.

Braucht man politische Vorgaben, um ein solches Umdenken zu erreichen?

Kaiser: Man sollte nicht vorschnell nach dem Gesetzgeber rufen. Aber es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Gesetzesvorgaben, Regulierungen und Standards eine Branche insgesamt nach vorne bringen können. Wir haben mit dem Recycling ein Problem, und deshalb muss die Politik Vorgaben zu einem recyclingfähigen Produktdesign machen. Das ist aus meiner Sicht dringend nötig, damit die Akzeptanz von Kunststoffen nicht verloren geht.  Wir müssen die Vorteile des Kunststoffs stärker in den Vordergrund stellen. Auch um zu zeigen, wo er überall vorkommt und welchen Nutzen er bringt. Und wir müssen zeigen, was alles im Recycling möglich ist, und was sich aus diesen Kunststoffen machen lässt.

Auch stark verschmutzte Folien lassen sich zu hochreinem Regranulat recyceln (Foto: Vecoplan).

Gibt es denn schon die Technologien, Kunststoffe in hoher Qualität zu recyceln?

Kaiser: In den letzten Jahren hat sich die Qualität der Rezyklate deutlich verbessert. Wir sind heute durch Aufbereitungstechniken in der Lage, Kunststoffe hochrein aufzubereiten. Ich glaube, das große Problem liegt derzeit darin, dass man eine Akzeptanz auf der Abnehmerseite dafür schaffen muss. Kunststoffverarbeitern muss bewusstwerden, dass es neben dem Primär-Material oft auch die Möglichkeit gibt, rezyklierten Kunststoff einzusetzen. Diese Granulate müssen natürlich den Standards genügen, die die Verarbeiter haben, aber es muss gezeigt werden, wie es funktionieren kann. Wir besprechen uns auch mit Spritzgießern. Die können uns sagen, wie ein Rezyklat beschaffen sein muss, damit man es spritzgießen und damit ebenbürtig verarbeiten kann. Viele Verarbeiter glauben noch immer, dass diese Sekundär-Kunststoffe schwer zu verarbeiten sind und dass sie eine sichere Produktion gefährden.

Wie groß ist das Potenzial für wiederverwertbare Kunststoffe?

Kaiser: Ein Rezyklat kann nicht einer Neuware entsprechen. Darüber muss man sich im Klaren sein. Aber man muss sich die Anwendungen ansehen, die ein Verarbeiter erfüllen möchte. Er muss sich bei jedem Produkt fragen, ob er dafür die Neuware braucht oder ob qualitativ gesehen ein Rezyklat reichen würde. Es gibt schon Unternehmen, die das so machen, aber es sind noch wenige. Es gibt genügend Anwendungsfälle, wo man sagen kann, dort reicht ein Rezyklat. Aber dafür muss auf der Abnehmerseite die Akzeptanz vorhanden sein, bei den Kunststoffverarbeitern und deren Kunden. Wenn die Kunden das erst einmal akzeptieren, treibt das wiederum die Hersteller an, höherwertige Produkte aus Rezyklaten herzustellen. Denn dann sind die Mengen so groß, dass es sich für sie rechnet. Je größer die Akzeptanz, desto geringer der Preis.

Können Bio-Kunststoffe das Image aufbessern?

Kaiser: Bei den Bio-Kunststoffen muss man unterscheiden, ob man einen biobasierten oder einen biologisch abbaubaren Kunststoff hat. Bioabbaubare Kunststoffe sehe ich kritisch, den Einsatz biobasierter Kunststoffe kann ich mir durchaus vorstellen, wenn die fossilen Stoffe am Ende sind und man einen nachhaltigen Rohstoff haben will.

Wo liegt der Unterschied?

Kaiser: Biobasierte Kunststoffe werden aus pflanzlichen Stoffen hergestellt, zum Beispiel Maisstärke. Dieser Kunststoff hat als Endprodukt die gleichen Eigenschaften wie ein Kunststoff, der aus raffiniertem Öl entstanden ist. Er zersetzt sich nicht in kürzester Zeit. Im Recycling wird er genauso behandelt wie jeder andere Kunststoff auch. Die abbaubaren Kunststoffe haben im Grund nur die Form und die Art und Weise eines Kunststoffes, der aber verrotten kann. Nicht so schnell wie eine Banane, aber immerhin schneller als die circa 450 Jahre, die eine normale Plastiktüte braucht, bis sie zersetzt ist. Man muss diese abbaubaren Kunststoffe kompostieren, damit höhere Temperaturen und Feuchtigkeit der Abbauprozess beschleunigen.  Man sollte den Verbrauchern aber nicht vorgaukeln, dass die Bio-Kunststoffe die Lösung seien.

www.vecoplan.com, plastics.vdma.org