Vor Ort

VDMA sieht Kunststoffmaschinen mit wichtigem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft

„Wenn es gelingt, das Image der Kunststoffe zu verbessern und Vorbehalte gegenüber Regeneraten auszuräumen, dann steht der Kreislaufwirtschaft nichts mehr im Wege“, ist Robert Obermayr von Erema sicher. Er war einer der Gesprächspartner beim VDMA-Presserundgang zum Thema Circular Economy auf der Fakuma in Friedrichshafen, der unter Leitung von Geschäftsführer Thorsten Kühmann zu Erema, KraussMaffei Berstorff, Wittmann Battenfeld und Sumitomo (SHI) Demag führte.

Robert Obermayr von Erema (links) im Gespräch mit VDMA-Geschäftsführer Thorsten Kühmann auf der Fakuma in Friedrichshafen (Foto: K-PROFI)

Der VDMA-Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen und seine Mitgliedsunternehmen haben im Sommer 2017 beschlossen, die Kreislaufwirtschaft und alle damit zusammenhängenden Aspekte auf ihre Agenda zu nehmen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Kunststoff ist ein wertvoller Werkstoff, der sich in vielen Fällen gut rezyklieren lässt, doch das Potenzial des Kunststoffrecyclings ist noch längst nicht ausgeschöpft. Kunststoff steht auch im Fokus der Endverbraucher. Doch wird hier der Werkstoff eher als das Problem selbst, denn als Problemlöser gesehen, Stichwort Marine Litter. Der nutzbringende Einsatz von Kunststoffprodukten und ihre Wiederverwertbarkeit werden in der breiten Öffentlichkeit kaum diskutiert. Kunststoffprodukte aus Rezyklat hingegen treffen immer wieder auf Akzeptanzprobleme beim Endverbraucher. Etwas für das Image von Kunststoffprodukten zu tun, halten auch die Maschinenbauer für sehr wichtig.

„Die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen wollen zeigen, dass sie sich – ganz im Sinne ihrer Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence – um Ressourcenschonung kümmern. Sie haben den Anspruch, nicht nur sorgsam mit dem Werkstoff umzugehen, sondern ihren Kunden, den Verarbeitern, auch wirtschaftlich attraktive Technologielösungen anzubieten“, erklärte der Verband zur Fakuma 2017.

Thorsten Kühmann erläutert: „Die Fakuma bietet eine sehr gute Gelegenheit, konkrete Anwendungen zu zeigen, die zum Gelingen einer Kreislaufwirtschaft beitragen. Kreislaufwirtschaft fängt für uns bereits beim effizienten Produktionsprozess an. Hier geht es nicht nur darum, Material einzusparen, sondern auch um Energieeffizienz. Wir wollen auch zeigen, was das Kunststoffrecycling heute bereits kann und dass aus Rezyklat heute hochwertige Produkte hergestellt werden können.“

Die Maschinenbauer sehen die Zukunft einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Zusammenspiel aller Partner der Kunststoffindustrie, gemeinsam mit Rohstoffherstellern und Verarbeitern.

Erema setzt neben neuen Technologien auf Dialog und ganzheitliche Beratung zur Prozessoptimierung

Mag. Georg Tinschert (rechts), Geschäftsführer des Spritzgießmaschinenherstellers Wittmann-Battenfeld, stellte sich den Fragen von VDMA-Geschäftsführer Thorsten Kühmann und Plas.TV-Chef Guido Marschall (Foto: K-PROFI)

Manfred Hackl, CEO der Erema Group, macht es deutlich: „Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie vergleiche ich gerne mit dem Sinnbild von ineinandergreifenden Zahnrädern. Die Integration von Recycling in die bestehende Prozesskette ist nur durch Kommunikation möglich – angefangen vom Produktdesign bis hin zur Fertigung. Von der notwendigen aktiven Kommunikation sind auch wir nicht ausgenommen: der Extrusionsprozess, die Kernkompetenz von Erema, kann weder losgelöst von der Sortierung oder dem Waschen, noch von der gewünschten Endanwendung aus Rezyklaten gesehen werden.“

Nach Hackl hat das Konzept der Kreislaufwirtschaft nun auch in der Kunststoffindustrie an wirtschaftspolitischer Bedeutung und vor allem an Verbindlichkeit der Beteiligten entlang der Kunststoffkette zugenommen. Als wesentliche Treiber sieht er politische Maßnahmen wie etwa das Kreislaufwirtschafts-Paket der EU, namhafte Brands als Vorreiter und Initiativen, wie beispielsweise die von Ellen MacArthur.

Auf der Fakuma präsentiert Erema vor allem Technologien, die darauf abzielen die Qualität von Rezyklaten weiter zu steigern, um die Bandbreite für Absatzmärkte zu erhöhen. Die neuesten Entwicklungen betreffen Verbesserungen bei Filtration, Geruch und werden ergänzt durch smarte Anwendungen. Mit Blick in die Zukunft setzt Erema auf eine ganzheitliche Beratung, um die Wertschöpfung von Kunststoff durch Prozessoptimierung zu maximieren. Erema wird Kunden beraten, die maßgeschneiderte Recycling-Lösungen von der ersten Idee bis hin zur Inbetriebnahme der Anlage benötigen. Dabei werden Automatisierung, Prozessoptimierung und Nachweisbarkeit eine immer größere Rolle spielen.

Vom Rezyklat zum hochwertigen Compound für High-End-Anwendungen

Carl-Philip Pöpel (rechts), Leiter Produktmanagement Zweischneckenextrusion bei KraussMaffei Berstorff, stellte die Aufbereitung von Kunststoffabfällen zu hochwertigen Re-Compounds vor. Die im Modell gezeigte Anlage verarbeitet Rezyklate unter anderem aus PE- und PP-Flakes zu Re-Compounds (Foto: K-PROFI)

Genau wie Recyclinganlagenbau Erema hat auch KraussMaffei Berstorff bereits Maschinenkonzepte im Markt, mit denen sich Kunststoffreste zu hochwertigen Recompounds als Ersatz für Neuware aufbereiten lassen. Beispiel: QCP. Carl-Philip Pöpel, Leiter Produktmanagement Zweischneckenextrusion bei KraussMaffei Berstorff, benennt als Haupttreiber für immer stärkere öffentliche Wahrnehmung von Recyclingaktivitäten Brand Owner, Aufbereiter und Rohstoffhersteller. Letztere ergänzen ihr Portfolio durch Akquisitionen und Partnerschaften, wie Borealis mit mtm oder Albis mit Wipag.

Auf der Fakuma stellte KraussMaffei Berstorff die Aufbereitung von Kunststoffabfällen zu hochwertigen Re-Compounds vor. Die im Modell gezeigte Anlage verarbeitet Rezyklate unter anderem aus Polyethylen- und Polypropylen-Flakes zu Re-Compounds. Die Flakes stammen zum Beispiel von oder können auch sortenreine DSD-Abfälle sein.

Carl-Philip Pöpel beschreibt den Vorteil der neuen Technologie: „Werden bisher zwei Extrusionsanlagen benötigt, um vom Rezyklat zum Compound zu kommen, so ist dies jetzt in einem Schritt möglich. Wir umgehen den Zwischenschritt der Granulierung des Regranulats.

Stabile Prozesse, geringer Ausschuss und hohe Anlagenverfügbarkeit

Auch der Spritzgießmaschinenhersteller Sumitomo (SHI) Demag setzt klar auf effiziente Antriebstechnologien und niedrigen Materialverbrauch. „Mit unserer neuen Generation elektrischer Spritzgießmaschinen erreichen wir eine ausgezeichnete Energiebilanz“, erklärt Gerd Liebig, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Doch nicht nur das“, führt er weiter aus, „der hochpräzise Produktionsprozess erlaubt die Fertigung anspruchsvoller technischer Teile bei geringem Ausschussanteil.“

Andreas Schramm (links) und CEO Gerd Liebig (Mitte) vom Spritzgießmaschinenhersteller Sumitomo (SHI) Demag erklären Thorsten Kühmann ihre Strategie, auf effiziente Antriebstechnologien zu setzen (Foto: K-PROFI)

Bei Sumitomo (SHI) Demag wird Nachhaltigkeit schon lange großgeschrieben, das Unternehmen ist seit Jahren aktiver Partner der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence. „Wir sehen das Konzept der Kreislaufwirtschaft als guten Impulsgeber auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Für die gesamte Wertschöpfungskette, unsere Kunden und auch deren Kunden wird es immer wichtiger, bereits den Produktionsprozess in die Nachhaltigkeitsbetrachtung mit einzubeziehen“, berichtet Liebig. „Wir als Maschinenbauer können zur Imageförderung von Kunststoff beitragen. Auch, indem wir Kundenanforderungen nach Verarbeitung von Rezyklaten nachgehen und unsere Maschinen optimal auf unterschiedliche Materialen anpassen.“ Nicht zuletzt setzt Sumitomo (SHI) Demag auf hohe Anlagenverfügbarkeit. Wenig störungsanfällige, wartungsarme Maschinen und Anlagen benötigen seltener Service vor Ort, auch das schont Ressourcen.

Bei K-AKTUELL.de finden Sie eine Reihe von Interviews mit Ausstellern der Fakuma aus Reihen des VDMA zum Nachlesen im Detail:

Engel-CEO Stefan Engleder sieht Kreislaufwirtschaft als Riesenchance

Stefan Kaiser von Vecoplan fordert Akzeptanz für Rezyklate

Demag-CEO Gerd Liebig erkennt starkes Umweltbewusstsein sowohl in Deutschland wie in Japan

Erema-CEO Manfred Hackl sieht die gesamte Kunststoffkette in der Pflicht

Helmut Huber fordert einen zweiten Markt für Folienabfälle

Georg Tinschert sieht beste Chancen für hochreines Rezyklat im Spritzgießen

„Recycling hat in der Kunststoffindustrie früh begonnen“, sagt Peter Breuer

Fazit des Fakuma-Rundgangs: Circular Economy und Industrie 4.0 werden die Branche bereits und werden sie weiter bewegen. Sicher werden Sie nicht erst auf der K 2019 in Düsseldorf, sondern auch 2018 auf der nächsten Fakuma noch stärker im Fokus stehen als in diesem Jahr.

Hintergrund: Der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA

Mehr als 200 Unternehmen sind Mitglied im Fachverband, sie repräsentieren mehr als 90 % der Branchenproduktion in Deutschland. 10 % der Mitgliedsfirmen kommen aus Österreich, der Schweiz und Frankreich. Die deutschen Mitgliedsunternehmen stehen für einen Umsatz von 7 Mrd. EUR im Kernmaschinenbau und 10 Mrd. EUR inklusive der Peripherietechnologie. Jede vierte weltweit hergestellte Kunststoffmaschine kommt wertmäßig aus Deutschland; die Exportquote liegt bei 70 %. Vorsitzender des Fachverbands ist Ulrich Reifenhäuser, geschäftsführender Gesellschafter der Reifenhäuser GmbH & Co KG in Troisdorf.

kug.vdma.org