Vor Ort

Werner Koch erkannte 1981 in der Fakuma eine große Chance

„Bei der ersten Messe hatte ich einen kleinen Reihenstand“, schmunzelt Werner Koch und greift zum Bleistift, um die Lage in der Fakuma-Halle von 1981 zu skizzieren. „Rundum hatte ich Geräte aufgestellt: Direkteinfärbegeräte, große und kleine Fördergeräte, Zweikomponenten-Förderer“, und er zeichnet gleich auf, wie damals der Stand der Werner Koch Maschinentechnik aus Ispringen ausgesehen hat.

Werner Koch mit der Ehrenurkunde als Erstaussteller der Fakuma 1981 (Foto: K-AKTUELL)

1974 hatte Werner Koch seinen Betrieb gestartet, kurz darauf war er Aussteller auf der K in Düsseldorf – „mit einem einfachen Tisch und einem Flüssigeinfärbegerät drauf“, wie er charmant berichtet. 1981 tat sich die Gelegenheit zur Ausstellung in Friedrichshafen auf. „Wir hatten Pionierstatus beim Einfärben direkt auf der Verarbeitungsmaschine“, bewertet der Peripherietechnik-Experte seine Marktposition vor 35 Jahren. „Man hat damals allgemein mit eingefärbtem Material gearbeitet“, erklärt Werner Koch, „wenn dann etwas schiefging und das Material nicht reichte, konnte man es oft nicht kurzfristig bekommen. Und Nachfärben war ein Problem. Dieselbe Farbe war nicht gut nachzustellen“, erläutert er.

„Das Direkteinfärben war noch nicht etabliert, und das war unsere Chance“, greift Werner Koch wieder zum Bleistift und zeichnet das Prinzip seines Direkteinfärbegerätes mit und ohne Vormischer, „die kleinen reichten bis 20 kg, die großen bis 100 kg Durchsatz.“ So konnten Verarbeiter uneingefärbtes Rohmaterial einsetzen und erst auf der Maschine flexibel die Farbe zugeben. Diese Idee trug auf der Fakuma 1981, als das Direkteinfärben noch wenig bekannt war – selbst in Kreisen der Spritzgießmaschinenhersteller, wie er über die erste Messe berichtet. Die Idee als solches ist ein gravimetrisches System („viele Kunden schwören auf die Gravimetrie“), auch wenn die Dosiergeräte von Koch bis heute im Markt stückzahlmäßig erst zu 40 Prozent gravimetrisch und noch zu 60 Prozent volumetrisch arbeiten. Übrigens: 1979 hat Koch seine erste Zentralförderanlage an einen Spielzeughersteller nach Österreich verkauft, seinerzeit eine reine Förderanlage noch ohne Trocknung: „Die kam erst Anfang der 1980er Jahre hinzu.“

Zurück zur Fakuma 1981. „Damals hatte ich noch nicht wirklich ein Vertriebsnetz“, bekennt Koch, der allein von Ispringen aus den Verkauf organisierte. „Auch deshalb ist die Fakuma für mich von Anfang an eine sehr gute Messe gewesen.“ Die Baden-Württemberger seien als Besucher immer dagewesen, dann die ersten Schweizer, danach auch die Österreicher gekommen, wie er sich erinnert. „Es lief blendend. Am letzten Messetag abends haben die Kunden ihre Geräte vom Stand geholt, ich hatte alles verkauft – für 500.000 DM“, blickt er zufrieden auf die Fakuma-Premiere zurück, „und für genau so viel hatte ich Bestellungen mitgenommen. Und nicht eines der Geräte, die ich auf Probe abgegeben hatte, ist zurückgekommen“, schiebt er nach.

Die Idee des Direkteinfärbens, damals Grundlage des Messeerfolgs, trägt bis heute, auch wenn inzwischen Zentralinstallationen für die Materialversorgung mit integrierter Trocknungstechnik bei Koch das umsatzstärkste Teilgeschäft sind. „Natürlich haben wir immer wieder Kleinigkeiten verbessert und die Entwicklung der Technik genutzt“, kommentiert er, und fügt schelmisch lächelnd hinzu: „Je höher die Ansprüche, desto mehr sind wir gefragt.“ Schlicht die Zeit fehlt Werner Koch, um seine neuesten Ideen für die Förder- und Trocknungstechnik reif zu machen für die Patentanmeldung. „Die Skizzen stehen, es muss aber in eine digitale Konstruktionszeichnung.“

Aus den kleinen Anfängen ist ein weltweit operierendes Unternehmen gewachsen. In diesem Jahr will Koch erstmals 40 Mio. EUR Umsatz erreichen. Werner Koch und sein Sohn Carsten investieren zurzeit knapp 5 Mio. EUR in einen Erweiterungsbau am Standort Ispringen. In einem Ersatzgebäude sollen 3.500 qm Zusatzfläche für Konstruktion und Produktion entstehen. Am Stammsitz Ispringen produziert Koch die Dosiertechnik, im Zweitwerk Neulingen-Göbrichen die Zentralförder- und Trocknungsanlagen. Auch hier will der Mittelständler erweitern. Klar, dass Werner Koch gleich zum Stift greift und skizziert, welche Ideen ihn bei der Organisation leiten.

http://www.koch-technik.com