Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

Windsor: Mit servohydraulischen und vollelektrischen Maschinen auf der Fakuma

Die servohydraulische Zweiplatten-Spritzgießmaschine von FCS ist auf der Messe mit der Produktion von Ablageboxen zu sehen. (Foto: Windsor)

Die servohydraulische Zweiplatten-Spritzgießmaschine von FCS ist auf der Messe mit der Produktion von Ablageboxen zu sehen. (Foto: Windsor)

Nach der erfolgreichen Einführung servohydraulischer Kniehebel-Spritzgießmaschinen der taiwanesischen Marke FCS während der K 2016 geht die Windsor Kunststofftechnologie GmbH, Hanau, nun einen Schritt weiter. Der renommierte Systemanbieter präsentiert zur Fakuma eine servohydraulisch angetriebene Zweiplatten-Spritzgießmaschine mit 5.000 kN Schließkraft und Automatisierung von Campetella. Damit ergänzt Windsor sein Angebot spritzgießtechnologisch um hydraulische und servohydraulische Maschinen. Demgegenüber repräsentiert das vollelektrische Spritzgießmaschinenangebot eine J180ADS–180 U von JSW Japan Steel Works. Windsor vertreibt deren Maschinen seit rund zehn Jahren in einigen europäischen Märkten. Für die FCS-Maschinen deckt Windsor allerdings ein größeres Marktgebiet ab – nämlich die EU- und EFTA-Staaten.

Weiterentwicklungen mit FCS

Vor einem Jahr unterzeichneten die Fu Chun Shin Group, Taiwan, und Windsor ein Abkommen, in dem sich FCS verpflichtet, hydraulische und servohydraulische Spritzgießmaschinen gemäß den von Windsor vorgegebenen europäischen Standards und Spezifikationen zu bauen und zu liefern. Im Gegenzug übernimmt Windsor als Systemlieferant – mit seinem seit 65 Jahren entwickelten und bewährten Vertriebsnetz – langfristig den Absatz und Handel, die Installation, Ersatzteilversorgung sowie den Service dieser Maschinen – mit Schließkräften von 300 bis 37.000 kN in allen EU- und EFTA-Ländern. Peter Kochs, seit Oktober 2016 Geschäftsführer bei Windsor: „Wir hatten eine intensive Zusammenarbeit bei der technologischen Weiterentwicklung der FCS-Maschinen vereinbart und sind inzwischen gut vorangekommen. Die Maschine, die wir auf der Fakuma ausstellen, ist in ihren technologischen Standards durchaus vergleichbar mit renommierten europäischen Produkten. Die Anwender bzw. Kunden, die keine Ressentiments vor Hightech-Spritzgießtechnik asiatischer Herkunft haben, schätzen allerdings das enorm gute Preis-/Leistungsverhältnis. Wer niedrige Investitions- und Produkt-Gesamtkosten im Auge hat, wird diese Vorteile nutzen.“

FCS-Messe-Exponat: Zweiplatten-Version mit kleinem Footprint

Erstmals präsentieren sich FCS und Windsor dem Fachpublikum während der Fakuma-Messe mit einer servohydraulisch angetriebenen Zweiplatten-Spritzgießmaschine. Die Maschine vom Typ LM-500SV besitzt 5.000 kN Schließkraft, 1.650 mm Plattenabstand, 400 bis 800 mm Einbauhöhe, 910 x 810 mm lichte Holmweite, 1.380 x 1.280 mm große Aufspannplatten, 85 mm Schneckendurchmesser, 2.155 cm³ Einspritzvolumen, 1.920 bar Einspritzdruck, 486 cm³/s Einspritzstrom und 78 kVA elektrische Anschlussleistung.

Warum Zweiplattentechnik in diesem „kleinen“ Schließkraftbereich? Dazu Peter Kochs: „Hallenkosten sind ein entscheidender Faktor. Umso mehr Maschinen ich auf einer vorgegebenen Fläche x installieren kann, desto besser ist mein Erlös oder ROI. Wir werden FCS-Zweiplatten-Spritzgießmaschinen im kleineren und mittleren Schließkraftbereich in der EU und den EFTA-Ländern verstärkt anbieten. Der Vorteil liegt im kleinen Flächenbedarf. Da die Maschine auf den relativ langen Kniehebel verzichtet und mit baulich kurzen Hydraulikelementen verriegelt, kommt dieser Bautyp mit 8.455mm Länge aus – bei einer Breite von 2.600 mm und Höhe von 2.200 mm. Ferner kommt die durch Windsor sehr gut eingeführte österreichische B & R-Steuerung neuester Generation zum Einsatz.“ Diese Spritzgießmaschine bietet dem Kunden bzw. Anwender ein quasi unbegrenztes Anwendungsspektrum unter Einsatz aller gängigen Polymere bis hin zu neuesten Super-Engineering-Plastics. Sie zeichnet sich durch hohe Präzision, Reproduzierbarkeit, Schnelligkeit, Langlebigkeit, Belastbarkeit und besondere Energie-Wirtschaftlichkeit aus.

Highlights des Messeexponats: auf der 5.000-kN-Maschine LM-500SV werden Ablageboxen (370 x 255 x 105 mm) in einem Einkavitäten-Werkzeug von Rival, Stockach, aus PP hergestellt. Das Schussgewicht beträgt 216 g, die Wanddicke rund 1,5mm, die Zykluszeit 25 s. Die Materialversorgung erfolgt volumetrisch über einen Schneckendosierer. Ein Campetella-Roboter entnimmt die Körbe und deponiert sie gestapelt auf einem Förderband.

JSW: ADS-Funktionalitäten jetzt auch bei kleineren vollelektrischen Maschinen

Die vollelektrische JSW-Spritzgießmaschine produziert auf der Fakuma eine Obstschale. (Foto: Windsor)

Die vollelektrische JSW-Spritzgießmaschine produziert auf der Fakuma eine Obstschale. (Foto: Windsor)

JSW hat seinen vollelektrischen Spritzgießmaschinen auch im kleineren Schließkraftbereich die ADS-Endung verliehen. Sie bezieht sich auf die neuesten Weiterentwicklungen in den Baugruppen Schließeinheit (Stahl sparend, aber stabiler und vibrationsärmer, also Werkzeug schonender), Spritzeinheit, Regelung/Steuerung und auf dem Gebiet der Energiebilanz sowie Wartung. Japan Steel Works hat Legierungen entwickelt, die der Spritzeinheit eine neue Dimension geben. Der Zylinder-Rohling wird mit einer speziellen Legierung im Zentrifugalgussverfahren hergestellt. Bei gleichbleibender hoher Qualität einer Spitzenleistungs-Garnitur hat der Zylinder allerdings einen entscheidenden Vorteil errungen: sein Außendurchmesser ist knapp 30 % kleiner als ein vergleichbarer. Das heißt im Klartext: deutlich geringere Aufheiz- und anschließende Kühlzeiten mit den entsprechend günstigeren Energie- und Zykluszeitwerten.

Auch in der ADS-Steuerung/Regelung gibt es entscheidende innovative Bereicherungen. Die Oberfläche des Controllers erinnert an die klaren Apps und Ikons eines Smartphones. Berühren oder Wischen führt direkt zu den „easy-to-understand“ Prozess-Funktionen, -Einstellungen, -Parametern und –Auswertungen. Energiehaushalt ist für JSW unabdingbar. Deshalb beziehen sich automatische Korrekturen bei Leistungs-Vergleichen bzw. -Anforderungen mit entsprechenden Hinweisen auf den geringstmöglichen Energieumsatz. Ähnliche Aufmerksamkeit in den prozessrelevanten Beiwerten genießt – mit mehreren zugriffsfreien Darstellungsseiten – die Schonung der Maschinenkomponenten. So wird frühzeitig auf Wartungsmaßnahmen hingewiesen, um eine lange Standzeit der Maschine zu gewährleisten und generell ihre Produktivität zu erhöhen.

Highlights des Messeexponats: JSW und seine europäische Repräsentanz Windsor zeigen eine JSW J180ADS-180 U (1.800 kN, 40-mm-Schnecke), die eine blütenkelchähnliche Obstschale aus PP (245 mm Durchmesser, 70 mm hoch, rund 4,5 mm Wanddicke) in ansprechendem italienischem Design auf einem Einkavitäten-Werkzeug in einem 40-s-Zyklus herstellt. Das Schussgewicht beträgt 288 g. Nach der Formöffnung entnimmt der Roboter die Obstschale und deponiert sie auf einem Förderband.

Präzise und synchrone Bewegungen aller relevanten Achsen und hochreproduzierbare Parallelfunktionen garantieren Formentlüftung, Material- und Werkzeugschonung sowie verkürzte Zykluszeiten bei optimaler Teilequalität. Bis zu sechs Formatmungs- und Prägefunktionen können in einem Schließablauf gefahren werden. Schließdruckaufbau und Einspritzen erfolgen wahlweise parallel. Zu jedem Wegpunkt des Einspritzens kann die erforderliche Schließkraft und Aufbauzeit definiert werden. Die JSW Regelungstechnik macht es möglich, alle 62 µs relevante Prozessparameter zu erfassen, auszuwerten und falls notwendig Optimierungen vorzunehmen. Überlegene Maschinen-Performance korrespondiert mit attraktiven Leistungsdaten, Maschinenpreisen und Anschlusswerten. So hat das energieoptimierte 1.800-kN-Exponat eine Maschinenanschlussleistung von nur 19 kVA.

Ziel von Windsor und JSW ist es, Vorreiter bei der Vermarktung vollelektrischer Maschinen über die ganze Bandbreite von 350 kN bis 30.000 kN sowie der fortschrittlichen vollelektrischen Vertikalmaschinen von JSW in Europa zu werden.

www.windsor-gmbh.de

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