Gedanken und Impulse der Redaktion

Fakuma erst 2021 wieder: Eine richtige Entscheidung!

Die „Fakuma“ findet 2020 nicht statt. Für den 13. bis 17. Oktober in Friedrichshafen geplant, wird die Kunststoff-Fachmesse jetzt offiziell „verschoben“ auf den für das Folgejahr ohnehin angesetzten Zeitraum 12. bis 16. Oktober 2021. Nach einer Befragung von Besuchern und Ausstellern hat das veranstaltende Messeunternehmen Schall seine Entscheidung am 23. Juli 2020 bekanntgegeben. Eine gute Entscheidung, meint K-PROFI-Chefredakteur Markus Lüling.

Lange, sehr lange haben die veranstaltenden Schall Messen auf behördliche Vorgaben aus Stuttgart warten müssen. Erst Mitte Juli verständigten sich das Sozial- und das Wirtschaftsministerium darauf, unter welchen Auflagen und unter Einhaltung welcher Schutz- und Hygienemaßnahmen ab September Messen in Baden-Württemberg wieder stattfinden dürfen.

Lange, sehr lange hat es gedauert, bis der Veranstalter im Besucherpotenzial und bei den eingebuchten Ausstellern Meinungen zur Messedurchführung einholte. Verantwortliche anderer Veranstaltungen haben dies mit größerem Abstand zur Laufzeit getan, sehr schnell klare Meinungsbilder erhalten und ihre Events unabhängig von gesetzgeberischen Eventualitäten abgesagt.

Lange, sehr lange sind die Aussteller, ihre Projektpartner und Dienstleister im Ungewissen über das Stattfinden der Fakuma geblieben. Für einige war es letztlich zu lang. Sie haben ihre Beteiligung auf „nicht aktiv“ gestellt und diese Entscheidungen an Kunden und Medien kommuniziert: Keine Exponate und nur das vorgeschriebene Minimalpersonal. Das sollte – so die Hoffnung – die vertraute Standposition für die Folgeveranstaltung sichern.

Exponate für Kunststoffverarbeiter werden erst im Oktober 2021 wieder Station am Bodensee machen. Zuletzt war hier 2018 eine Fakuma gelaufen (Foto: K-AKTUELL/Hauptmannl).

Bei vielen Ausstellern lagen der Ankündigung der „nicht aktiven“ Teilnahme mehrere Aspekte zugrunde: Die Sorge um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter, der große absolute Aufwand für einen attraktiven Messeauftritt und erhebliche Fragezeichen hinter der zu erwartenden Besucherzahl. Aufwand, Risiken und Nutzen eines Fakuma-Auftritts sind im Corona-Jahr für viele nicht in ein verantwortbares Verhältnis zu bringen.

Ein Blick über die Grenzen zeigt: Rund um den Globus sind so gut wie alle für 2020 geplanten Kunststoffmessen abgesetzt oder auf 2021 verschoben worden. Nur einzelne Herbst-Events stehen noch im Branchenkalender – etwa in Polen oder den Niederlanden. Auch abseits des Kunststoffs wurden viele Industriemessen abgesagt – in Deutschland und weit darüber hinaus.

Seit Wochen spreche ich jeden Kontakt unter Kunststoffverarbeitern und OEMs auch auf die Fakuma an und frage nach der Besuchsabsicht: „Immer sehr gerne, aber dieses Jahr muss es mal ohne gehen.“ „Nein, in diesem Jahr nicht.“ „Das ist mir zu unsicher. Auf keinen Fall.“ Und zuletzt: „Wenn die großen Firmen nicht ausstellen, werden viele kleine auch fernbleiben. Warum dann hinfahren?“ Ich musste feststellen: Kein einziger Gesprächspartner wäre an den Bodensee gereist.

Das Meinungsbild unter den großen Zielgruppen der Fakuma erscheint einhellig. Die Aussteller könnten zu einer „Messe unter Masken“ vermutlich weit weniger Besucher begrüßen als sonst. Und die Interessenten müssten auf elementare Teile des gewohnten Exponate-Angebots und auf viele Begegnungen mit Experten, Kollegen und Partnern verzichten. Nach Lage der Dinge wäre die Fakuma im Oktober 2020 für viele Stakeholder ein Ärgernis mit Ansage geworden. Deshalb ist die „Verschiebung“ auf das nächste Jahr gut und richtig.

Freuen wir uns auf den 12. bis 16. Oktober 2021 im Gelände der Messe Friedrichshafen – mit spannenden Exponaten, mit kreativen Kontakten und hoffentlich wieder in positivem Geist und in der gewohnt angenehmen Atmosphäre!

Gepostet am 23.07.2020 um 14:15.
Markus Lüling
Markus Lüling (Chefredakteur K-PROFI)
berichtet exklusiv für K-AKTUELL.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.