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„Geht menschlich mit den Menschen um“: Erinnerungen an den verstorbenen GKV-Ehrenpräsidenten Günter Schwank

Günter Schwank ist am 14. August 2019 im Alter von 88 Jahren verstorben. Mit dem langjährigen Ehrenpräsidenten des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) verliert die Kunststoffindustrie in Deutschland und Europa eine herausragende und über Jahrzehnte prägende Persönlichkeit.

Günter Schwank im Interview mit K-PROFI im Jahr 2013 (Foto: K-PROFI/Ruth Albus).

„In meinem Leben habe ich ungeheuer viel Glück gehabt“, bilanzierte Günter Schwank bei unserer letzten persönlichen Begegnung, nur drei Tage vor seinem Tod. Seine Dankbarkeit bezog er ausdrücklich auf das familiäre, berufliche, geschäftliche und politische Leben. Und darauf, dass er bis ins hohe Alter bei geistiger Frische Anteil am Leben nehmen konnte. Begrenzten zuletzt einige Einschränkungen seinen Aktionsradius, beherrschte Günter Schwank doch alle Tools der IT und Telekommunikation, um informiert zu bleiben, an Schaltkonferenzen teilzunehmen und Kontakte im In- und Ausland zu pflegen.

Seine beruflichen Stationen führten den gebürtigen Hessen zu Singer Nähmaschinen in Frankfurt, zu Photo Porst in Nürnberg, zu Peguform in Bötzingen und schließlich zu Georg Utz in Schüttorf. Dass er so in vier Bundesländern aktiv sein konnte, empfand er als Geschenk, habe er so doch viele Gegenden näher kennengelernt, Perspektiven erlebt, Befindlichkeiten erkannt und ein überregionales Netzwerk geknüpft, das Wirtschaft, Gesellschaft und Politik durchzog. Denn auch die Politik ließ Günter Schwank nicht ruhen. Über 66 Jahre Mitglied der CDU, war er schon Anfang der 1950er Jahre in der Jungen Union Hessen aktiv, Stadtratsmitglied in Königstein und Oberursel, in der Grafschaft Bentheim langjähriger Vorsitzender und zuletzt Ehrenvorsitzender seines Kreisverbands.

Die Faszination des Günter Schwank für Kunststoff ging, wie er K-PROFI in einem Interview gestand, auf die Weltausstellung 1958 in Brüssel zurück, wo er eine Spritzgießmaschine in Betrieb gesehen hatte, die Erinnerungstaler für Besucher herstellte. Doch es dauerte bis 1970, bis er über die Badischen Plastic-Werke (Peguform) in die Kunststoffindustrie kam. Von 1973 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter der Georg Utz GmbH in Schüttorf und engagierte sich als Vertreter des Herstellers von Lager- und Transportbehältern, Paletten und Werkstückträgern im Vorstand des heutigen Industrieverbands pro-K. Als Präsident stand er von 1998 bis 2002 an der Spitze des GKV, anschließend wurde er dessen Ehrenpräsident.

Über sein Engagement in den Branchenverbänden pro-K und GKV hinaus war Günter Schwank u.a. im BDI, im DIN, im SKZ, im RKW, bei seiner örtlichen IHK Osnabrück-Emsland, bei der Kreissparkasse sowie bei der Wirtschaftsförderung in der Grafschaft Bentheim und entlang der Ems-Achse aktiv – immer mit besonderem Augenmerk für die Anliegen des Mittelstandes. Sein herausragendes ehrenamtliches Engagement wurde mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

„Geht menschlich mit den Menschen um.“ Unter dieses Credo von Günter Schwank hat seine Familie ihre Traueranzeige gestellt. Persönlich bescheiden, stets freundlich und aufgeschlossen, war er jedem Gegenüber respektvoll zugewandt. Geprägt vom christlichen Menschenbild, interessierte Günter Schwank immer auch der Mensch hinter einer Funktion, einer Aufgabe oder hinter einem Amt. Ein Anliegen war ihm die sozialpartnerschaftliche Verantwortung von Industrie und Gewerkschaften. So zeigte er höchsten Respekt vor der Weitsicht und der Integrationskraft der IG BCE als Tarifpartner vieler Unternehmen der Kunststoffindustrie und vor ihren Vorsitzenden Hubertus Schmoldt und Michael Vassiliadis.

Die Sorge um die Zukunftsfähigkeit und die Chancen für die Branche trieb Günter Schwank bis in seine letzten Tage um. Unser letztes Gespräch drehte sich maßgeblich um das leidende Image des Kunststoffs angesichts der Diskussionen um Meeresvermüllung und Mikroplastik in der Umwelt. Bis zuletzt war ihm die Förderung von Nachwuchs und Talenten ein Anliegen – im eigenen Unternehmen, für die Kunststoffbranche, für seine Partei und darüber hinaus. In Erinnerung bleibt mir ein Austausch in seinem Garten um die Jahrtausendwende, dessen Resultat der GKV-Förderpreis für die bundesbesten Absolventen der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker war. Seine alljährliche Verleihung wird immer mit dem Namen Günter Schwank verbunden bleiben.

Günter Schwank hat unser Magazin K-PROFI von der Konzeption an mit großem Interesse und Wohlwollen konstruktiv begleitet, unserem Redaktionsteam viele Türen geöffnet und bei Persönlichkeiten der Branche sich für uns verwendet. Dafür werden wir immer dankbar sein.

Ich möge mich wieder melden, wenn ich in der Nähe sei, bat Günter Schwank mich bei der Verabschiedung am Sonntag. Nun wird es keine Begegnung und kein Telefonat mehr geben. Unvergesslich bleiben die Erinnerungen an einen großartigen Menschen. Wie viele Aktive der Kunststoffindustrie sind mein Team und ich sehr traurig. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt Günter Schwanks Ehefrau Elfriede und seiner großen Familie. Es war eine Ehre, Günter Schwank begegnet zu sein.

Gepostet am 17.08.2019 um 12:41.
Markus Lüling
Markus Lüling (Chefredakteur K-PROFI)
berichtet exklusiv für K-AKTUELL.

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