Vor Ort

„Von der Fabrikplanung bis zum Robot as a Service“

Die Wurzeln der Hahn Group gehen auf die Automation von Gummispritzgießmaschinen zurück. Mit der Akquisition von Wemo, Waldorf Technik und Geku ist sie immer mehr auch im Kunststoffspritzgießen aktiv geworden. Auf der K ist die Gruppe am Stand von Wemo versammelt. K-AKTUELL sprach dort mit CEO Thomas Hähn und Bernhard Rupke, Division Director Material Handling.

K-AKTUELL: Herr Hähn, die Hahn Group in drei Sätzen?

Thomas Hähn: Die Hahn Group ist ein Zusammenschluss von 12 Marken und 24 Standorten mit 1.400 Mitarbeitern weltweit. Kerngeschäft ist die Fabrikautomation mit Fokus auf Montage und Test, aber auch Formteilhandling, Robotik und digitale Transformation. Wir sind strukturiert in vier Divisionen – Assembly & Test, Material Handling, Robotics und Process Technologies.

Wie haben Sie angefangen?

Thomas Hähn (rechts), CEO der Hahn Group, und Bernhard Rupke, Director Division Material Handling (Foto: K-AKTUELL)

Thomas Hähn: Ich habe das Unternehmen in der elterlichen Traktorgarage gegründet. Die Basis war 1992 eine Belade- und Entnahmetechnik für Gummispritzgießmaschinen. Wir waren schnell auch weltweit tätig. In China als einen der größten Märkte für die Elastomerverarbeitung bedienen wir bis heute viele Verarbeiter.

Wie kamen Sie vom Gummi zum Kunststoff?

Thomas Hähn: Der Weg ist kurz, denn die Automatisierung von Spritzgießmaschinen für Kunststoff ist sogar einfacher als bei denen für Gummi. Mit den Akquisitionen Wemo in 2015, Waldorf in 2017 und Geku in 2018 haben wir eine Division für Material Handling gegründet, unsere Experten in der Kunststoffindustrie.

Geben Sie uns bitte einen Eindruck vom Geschäftsvolumen.

Thomas Hähn: 2014 haben wir einen Umsatz von 60 Mio. EUR gemacht. Durch die Beteiligung der RSBG, die Beteiligungsgesellschaft der RAG-Stiftung, haben wir die Möglichkeit bekommen, uns stark zu internationalisieren und zu diversifizieren. In diesem Jahr rechnen wir mit 240 Mio. EUR Umsatz, eine Vervierfachung in fünf Jahren.

Wie sind Sie in der Kunststoffindustrie positioniert?

Thomas Hähn: Mit der Division Material Handling sehen wir uns als Komplettanbieter für Automation an der Spritzgießmaschine. Bei Wemo haben wir Standardlösungen, die wir in allen unseren Automationen einsetzen. Mit Geku setzen wir auf die Elektro- und Steckerindustrie, mit Waldorf auf die Medizintechnik. Am Rande bedienen wir weitere Anwendungen, die ähnliches Know-how benötigen.

Herr Rupke, seit August sind Sie Director Division Material Handling bei Hahn. Was ist Ihre Aufgabe?

Bernhard Rupke: Als Director der Division Material Handling habe ich tiefe Einblicke in jedes der drei Unternehmen. Wir entwickeln gemeinsam Synergien zwischen den Marken Wemo, Waldorf und Geku, um daraus neue Lösungen zu entfalten. Gepaart mit meinen Erfahrungen im Markt ergeben sich weiterreichende Ideen und Möglichkeiten unser Angebot im Markt zu positionieren und einzusetzen.

Sie waren bereits bei Sumitomo-Demag, bei Engel und bei Hekuma in Verantwortung. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Bernhard Rupke: Ich kann aus meinem persönlichen Hintergrund eine Menge Erfahrungen in die Division einbringen und Perspektiven entwickeln, für mich ein geradezu logischer Schritt. Alle drei Firmen der Division Material Handling sind Spezialisten in ihrem Bereich. Das macht es besonders spannend und öffnet ein Feld an Möglichkeiten, an Kundenpotenzial, an Wissens- und Erfahrungstransfer.

Wo sehen Sie die Spezialkompetenzen der einzelnen Firmen?

Bernhard Rupke: Wemo baut kleine Automationsanlagen aus Standardprodukten wie Drei-Achs-Robotern, Förderbändern und Abstaplern. Intelligente Baukasten-Lösungen werden ein wichtiges Standbein sein, das weiter wächst. Waldorf ist sehr erfolgreich in der Medizin und wächst überdurchschnittlich schnell. Geku automatisiert die Herstellung von Kontakten, das Einlegen und Umspritzen für die Automobilelektrik und die Steckerindustrie mit integrierten Prüfstrecken für optische und elektrische Eigenschaften. Oft sehr komplexe und anspruchsvolle Aufgaben, für die wir Potenzial über die DACH-Region und Europa hinaus sehen, auch in China und den USA.

Vertrieblich sehen Sie also noch Luft?

Bernhard Rupke: Absolut, die Unternehmen sind in unterschiedlichen Märkten tätig, nicht nur von den angebotenen Lösungen, sondern auch in Bezug auf die bereits erschlossenen Märkte. Hightech, wie es in Europa Standard ist, findet in Schwellen- und Drittweltländern nicht immer Akzeptanz. Deshalb schauen wir, welche Lösungen und welchen Support wir aus der Division und darüber hinaus auch aus der Group nutzen können.

Im Bereich der Kunststoffindustrie geht das über Beladen und Entnehmen hinaus?

Thomas Hähn:  Das ist nur ein Teil davon. Wir entwickeln zunehmend mehr Lösungen für die Intralogistik-Automation mit Teileanlieferung und -abtransport. Dazu gehören fahrerlose Transportsysteme (AGV), die wir noch intensiver anbieten werden. Viele Bestandskunden suchen Automatisierungslösungen auch vor und hinter der Kernmaschine. Und genau darin ist die Hahn Group durch das umfassende Lösungsportfolio sehr breit aufgebaut. So sehen Sie hier auf der K-Messe neben den drei Firmen GeKu, Wemo und Waldorf Technik auch eine Lösung mit unserem Cobot Sawyer von Rethink Robotics, die durch unseren Systemintegrator Hahn Robotics speziell für die Verpackungsindustrie entwickelt wurde.

Das sind dann Greenfield-Projekte?

Thomas Hähn: Nein, nicht nur Greenfield-Projekte, sondern Bedarf gibt es auch bei Brownfield-Anlagen. Wir können hier Optimierungsmöglichkeiten anbieten und in Kombination mit unserer Digitalisierungskompetenz bestehendes Equipment verknüpfen.

Herr Hähn, welche Ziele haben Sie für die Group?

Thomas Hähn: Der Erfolg in der Group als Ganzes liegt für uns in langfristigen Partnerschaften mit unseren Kunden. Wir bieten ein ganzheitliches Angebotsportfolio, um die Effizienz und Profitabilität unserer Kunden zu steigern. Wir sind Experten in der Fertigungsautomation. Dies reicht von der Fabrikplanung unter Digitalisierungskompetenzen zur Smart Factory, über Automationstrassen, kollaborativer Robotik bis hin zu Robot as a Service. Wichtig ist für uns nicht stehen zu bleiben, wir schauen immer nach dem nächsten Schritt, nach innovativen Technologien oder Businessmodellen um unser Angebotsportfolio zu erweitern. Dies sieht man an unserer Entwicklung in den letzten Jahren und gerade kürzlich erneut durch die Gründung von Hahn Digital.

Bleiben die drei Marken Wemo, GeKu und Waldorf Technik erhalten, oder wollen Sie die Unternehmen in der Division zusammenführen?

Thomas Hähn: Die Gesellschaften in der Hahn Group sind mittelständische Unternehmen. Sie sollen mittelständisch bleiben und auch so agieren. Um sie herum spannen wir ein Netz, das sie in der Projektfähigkeit, in der Technologie und im Vertrieb stärkt, beim Einsatz von Automatenstraßen, standardisierten Industrierobotern, kollaborativer Roboter, bei der Internationalisierung oder der Digitalisierung.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.hahn.group; www.geku-automation.com; www.waldorf-technik.de; www.wemogroup.com/de