White Paper

Ypsomed Schwerin: Leuchtendes Vorbild im Fabrikbau

Dieses White Paper wird Ihnen bereitgestellt von IE Industrial Engineering München GmbH.

Auf der Basis eines Masterplans hat das Schweizer Medtech-Unternehmen Ypsomed in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, ein Produktionswerk errichtet, in dem das zukünftige Wachstum des Unternehmens bereits eingeplant ist. Für IE-Plast eine Chance, als Generalübernehmerin die Idealfabrik für die Kunststoffverarbeitung und Reinraumproduktion zu planen und zu realisieren.

Vor über 30 Jahren hat sich Ypsomed im Markt von Produkten und Dienstleistungen für die Selbstbehandlung von Krankheiten wie Diabetes etabliert. Seither verzeichnet das Schweizer Unternehmen ein dynamisches Wachstum und ist heute weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Injektions- und Infusionssystemen. Mit Produkten und Dienstleistungen von Ypsomed können sich Patientinnen und Patienten die benötigten Medikamente einfach und sicher selber verabreichen. Um die ständig zunehmende Nachfrage abzudecken, baute Ypsomed in den letzten Jahren die Produktionskapazitäten in der Schweiz laufend aus. Nachdem die Möglichkeiten für weiteres Wachstum an den Standorten in der Schweiz ausgeschöpft waren, sah sich das Unternehmen nach geeigneten Standorten für die Produktion von Pens und Insulinpumpen im Ausland um.

(Foto: IE Plast Engineering)

Wirtschaftsfreundlicher Standort Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern

Im Rahmen einer sorgfältigen Evaluation fiel der Standortentscheid zugunsten von Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern im Norden Deutschlands. Schwerin weist eine ganze Reihe von Standortvorteilen auf, die Ypsomed überzeugten. Zu diesen zählen die hohe Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, die hervorragend ausgebaute öffentliche Infrastruktur, die gute verkehrstechnische Anbindung und vor allem die Baulandreserven, die für wachstumsorientierte Unternehmen wie Ypsomed von zentraler Bedeutung sind. Der Industriepark Schwerin umfasst eine erschlossene Industriefläche von 200 Hektaren, von denen sich Ypsomed 10 Hektaren gesichert hat.

Die Chance der grünen Wiese

Bauen auf der grünen Wiese in grossen Dimensionen bietet perfekte Voraussetzungen, um eine Fabrik nach Idealvorstellungen zu planen und zu realisieren. Diese ist hoch automatisiert, effizient organisiert sowie nachhaltig im Sinne von Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Zudem ist sie enorm flexibel: Zukunftsfähig ist eine Fabrik im Sektor Medizintechnik nur dann, wenn die Planung langfristige Entwicklungs- und Wachstumsszenarien des Unternehmens mit einbezieht.

In der mittel- bis längerfristigen Strategie hat Ypsomed die Meilensteine für den stufenweisen Ausbau der Produktion klar definiert: In der Startphase sollten 60 Spritzgiessmaschinen für die Produktion der Kunststoffteile in Betrieb genommen werden. In einer ersten Erweiterungsphase würden rund 30 Spritzgiessmaschinen hinzukommen. Und für die nicht so ferne Zukunft sollte die Möglichkeit offen sein, die Produktionskapazitäten am selben Standort zu verdoppeln. Mitwachsen müssen die Reinraumkapazitäten, die Materiallogistik, die Medienversorgung, die Montage- und Verpackungsstrassen und die Lagerkapazitäten.

Entscheid für IE Plast als Generalübernehmer

Für Ypsomed war klar, dass für die Umsetzung dieser ambitionierten Ziele über einen längeren Zeitraum hinweg ein Masterplan erforderlich ist, wie ihn die Planer von IE Plast für die industrielle Produktion entwickelt haben. Ypsomed war schon zu einem früheren Zeitpunkt im Kontakt mit IE Plast. Daraus wurde nun eine enge Zusammenarbeit: Im Dezember 2017 erteilte die Bauherrin den IE-Planern den Auftrag, das Projekt Schwerin als Generalübernehmer für die Gesamtplanung und Ausführung umzusetzen.

Für IE Plast sprach aus der Sicht von Ypsomed insbesondere das Branchenwissen, das sich die IE-Planer bei zahlreichen Bauprojekten für die kunststoffverarbeitende Industrie angeeignet haben. Als weiterer Pluspunkt erwies sich das Know-how von IE in der Reinraumproduktion für medizinische Erzeugnisse. Ins Gewicht fiel ausserdem, dass IE Plast in der Lage ist, alles aus einer Hand anzubieten, die Qualifizierung miteingeschlossen. Vorteile dieses Ansatzes sind kurze Kommunikationswege, eine deutliche Reduktion des Koordinationsaufwands und eine Steigerung der Handlungsfähigkeit und Beweglichkeit, die sich vor allem im Hinblick auf ehrgeizige Terminziele als wertvoll erweist.

Kumulation von Experten-Know-how der IE-Standorte München und Zürich

IE Plast mobilisierte für das gross dimensionierte Ypsomed-Projekt interdisziplinäre Know-how-Ressourcen der IE-Standorte München und Zürich. Die mit den baulichen, behördlichen und gesetzlichen Gegebenheiten in Deutschland vertrauten Münchner Planungsteams übernahmen die Bauplanung und das Projektmanagement. Für die Betriebs- und Reinraumplanung sowie die Qualifizierung wurden die entsprechenden Experten aus Zürich ins Boot geholt. Diese multikulturelle Note passt gut zur Situation der Bauherrin, die als Schweizer Unternehmen in Norddeutschland ein strategisch wichtiges Standbein errichtet hat und dieses in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird.

Die Idealfabrik: aus dem Modell wird Realität

Das Projekt auf der grünen Wiese bot den IE-Planern die seltene Gelegenheit, das Modell der Idealfabrik in enger Zusammenarbeit mit der Bauherrin ohne einschränkende Rahmenbedingungen umzusetzen. Das auf langjähriger Erfahrung im Fabrikbau und auf klar definierten Zukunftsszenarien für die industrielle Produktion basierende Modell orientiert sich an strengen Massstäben für Prozesseffizienz, Sauberkeit, Produktionssicherheit, Rentabilität und Ausbaufähigkeit. Daraus leiten sich klare Prinzipien für die Fabriksplanung ab.

(Foto: IE Plast Engineering)

Der Backbone als Nervenstrang

Ein zentrales Element ist der Backbone, der sich als Korridor durch die Gesamtanlage zieht. Der Backbone erschliesst die angegliederten Produktions-, Verarbeitungs-, Versorgungs- und Lagerbereiche und teilt sich in drei strikte getrennte, übereinander angeordnete Stränge auf: über den unteren Strang läuft der Materialfluss, über den mittleren der Personenfluss und über den oberen Strang der Medienfluss. Der Backbone-Ansatz ermöglicht spätere Erweiterungen der Produktion bei laufendem Betrieb, ohne dass das Zonenkonzept angepasst werden muss.

Durchgängige Flexibilität

Die Idealfabrik sieht kurze, durchgängig verlaufende Material- und Personenflüsse vor. Die haustechnischen Anlagen sind zuoberst im Gebäude angesiedelt. Die Medienversorgung wird von oben nach unten geführt und lässt sich der Konstellation der Produktionsmittel flexibel anpassen. Für maximale Freiheit bei der Planung der optimalen Produktionsabläufe sind die Hallen weitestgehend stützenfrei gestaltet. Die Produktionsfläche weist durchgängig die gleiche Nutzlast auf, damit Maschinen, wenn nötig, verschoben werden können.

Die Einteilung der Produktionsfläche folgt unabhängig von der Grösse der Maschinen einem fixen Raster mit identischen Abmessungen der Rasterfelder. Die Modularität unterstützt eine möglichst einfache Auslegung der Medienversorgung und der entsprechenden Anschlüsse. Die direkte Anbindung der Lager an die Produktion steigert die Effizienz des Gesamtprozesses und reduziert die Investition in Transport- und Fördermittel.

(Foto: IE Plast Engineering)

Produktion auf 10.000 m2 zusammenhängender Fläche

Die erste Stufe der langfristigen Entwicklung des Ypsomed-Produktionswerks Schwerin umfasste eine Gebäudefläche von rund 24.000 m2 mit Backbone, Produktionshalle, Montage, Verpackungsbereich, Lager und Rohmaterialversorgung. Am westlichen Kopf des Fabrikareals werden dereinst die Silos mit dem Rohmaterial stehen, das über kurze Wege in die Produktion transportiert wird. Am östlichen Ende entstand das Verwaltungsgebäude.

Um für die Betriebsplanung möglichst viel Freiraum zu schaffen, sahen die Planer für die Produktion eine zusammenhängende Fläche von 10.000 m2 vor, die sich in vier Segmente gliedert. Möglich wurde die Einhaltung der strengen Brandschutzvorschriften bei einer Fläche in dieser Grössenordnung durch den Einbau einer Sprinkleranlage, dem die Bauherrin auf Empfehlung der IE-Planer zustimmte.

Abstimmung des Produktionsgebäudes auf das Zonenkonzept

Für die Entwicklung eines für die Produktion von Injektions- und Infusionssystemen angemessenen Zonenkonzeptes konnten die Planer von IE-Plast auf ihre langjährige Erfahrung rund um die Produktion im regulierten GMP-Umfeld und ihr spezifisches Reinraumwissen zurückgreifen. Sie fanden eine Lösung, die die Grösse der kritischen, mit hohen Investitionen verbundenen Reinraumzone auf ein Minimum reduzierte. Um den effizienten Betrieb unter Einhaltung der GMP-Compliance zu gewährleisten, dehnt sich das Zonenkonzept über das ganze Produktionsgebäude inklusive dazugehöriger Zonenübergänge, respektive Schleusen aus.

Bewegliche Versorgungstechnik

Im Einklang mit dem Modell der Idealfabrik sind die gebäudetechnischen Anlagen für die Versorgung mit Strom, Druckluft, Kälte, Lüftung und Klimatisierung im Obergeschoss des Backbones und dezentral unter dem Dach der Produktion angesiedelt. Auch in diesem Bereich hat Flexibilität einen hohen Stellenwert, denn Veränderungen des Produktionslayouts ziehen Konsequenzen für die Medienversorgung nach sich. Die IE-Planer tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie die Versorgungstechnik nicht dem Gebäude zuordnen. Vielmehr behandeln sie die Versorgungssysteme als bewegliche Elemente, die allfällige Veränderungen im Maschinenlayout mitvollziehen müssen.

Grundsätzlich basieren die gebäudetechnischen Anlagen des Produktionswerks auf den zeitgemässen regenerativen Ansätzen mit konsequenter Nutzung von Energie für Kühlung und Heizung.

So viel Qualifizierung wie nötig

Spezialisten von IE Plast übernahmen auch die Qualifizierung bis und mit OQ (Operational Qualification). Für die Qualifizierung wurde ein risikobasierter Ansatz über das ganze Werk gewählt. Dies bedeutete, dass ausschliesslich GMP-relevante Systeme wie kontrollierte Zonen, Druckluft und Rohmaterialförderung qualifiziert wurden. Der von IE praktizierte planungsorientierte Qualifizierungsprozess begleitete die Bauplanung über alle Projektphasen hinweg.

Vorgezogene Erstellung der Fundamente für zukünftige Ausbauschritte

Es gehört zu den Besonderheiten des Projekts von Ypsomed in Schwerin, dass die Bauherrin den IE-Planern Gelegenheit bot, Zukunft nicht nur mitzudenken, sondern zukünftigen Erweiterungsschritten in wahrstem Sinn des Wortes den Boden zu bereiten. Zum Beispiel wurde für Erweiterungen des Reinraums die Bodenableitfähigkeit bereits im Bestand der Raumreserven implementiert. Auch bei der Rohmaterialförderung hat die nächste Ausbaustufe bereits begonnen: Im Bereich der Rohmaterialaufgabe wurde das Fundament für die Errichtung der Aussensilos gelegt. Im Bereich der Rohmaterialaufbereitung sahen die IE-Planer Platzhalter für zusätzliche Trockentrichter und Vakuumkompressoren vor. Für die Rohmaterialverteilung in der dereinst ausgebauten Fabrik wurden bereits die Trassen erstellt und die Leitungen für den Granulattransport gelegt.

(Foto: IE Plast Engineering)

Architektur als Botschaft und Ausdruck einer Haltung

IE Plast plant prinzipiell von innen nach aussen: Die Betriebsplanung bestimmt das Produktionslayout und dieses wiederum definiert den Spielraum für die Entwicklung des architektonischen Konzepts und die Ausgestaltung der Gebäudehülle. Es gilt der Grundsatz «form follows function». Funktionalität bedeutet aber nicht den Verzicht auf Ästhetik.

Beim Produktionswerk von Ypsomed transportiert die Architektur die Botschaft der Reinheit. Nicht unterkühlt oder steril, sondern in der zeitlosen Sprache schlichter Formen und Strukturen. Auch die Materialisierung, die glatten Oberflächen und die dezente Farbgebung signalisieren Sauberkeit und Klarheit. Die grosszügige Einleitung von Tageslicht – zum Teil auch in die Produktionshallen – und die den gesamten Betrieb prägende Transparenz, Helligkeit und Freundlichkeit zeigen, dass der Bauherrin eine hohe Arbeitsplatzqualität am Herzen liegt. Das innere und äussere Erscheinungsbild des Werks reflektieren die Haltung der Geschäftsleitung sowie der Gründer- und Besitzerfamilie der Ypsomed-Gruppe, die ihre soziale Verantwortung ernst nehmen.

Ein in allen Teilen gelungenes Projekt

IE Plast garantiert für die Einhaltung von Kosten-, Termin-, Funktions- und Qualitätsversprechen. Dank dem vollen Engagement der Bauherrin auf der einen und den Experten-Teams von IE Plast auf der anderen Seite gelang es, das anspruchsvolle Projekt vereinbarungsgemäss umzusetzen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen der Bauherrin und den IE-Planungsteams, die Bündelung von Expertenwissen, Branchen- und Prozess-Know-how sowie das gegenseitige Vertrauen in die Kompetenzen der beteiligten Partner haben zu einem Ergebnis geführt, das sich sehen lassen kann: Auf dem Gelände, das vormals von Kampfmitteln aus Kriegszeiten durchsetzt war, ist ein Vorzeigewerk entstanden, das im Fabrikbau neue Standards setzt.

Nach dem Bau ist vor dem Bau

Doch die Zukunft des Ypsomed-Produktionsstandorts Schwerin hat eben erst begonnen. Der nächste grosse Schritt wird die Spiegelung der gesamten bestehenden Produktionsanlagen über die Achse des Lagers sein. Die Verdoppelung der Produktionskapazitäten wird die weltweit führende Marktstellung von Ypsomed im Bereich medizinischer Selbstbehandlungssystemen weiter festigen.

In einer Verbindungszone des lichtdurchfluteten Verwaltungsgebäudes steht eine Skulptur in Form eines gross dimensionierten Rades. Sie ist ganz aus Holz gefertigt, das aus dem schweizerischen Emmental, der Heimat der Gründerfamilie vom Ypsomed, stammt. Das Rad steht für Bewegung und Fortschritt. Das Holz für solides nachhaltiges Wachstum.

Strategisches Leitinstrument Masterplan

Der Masterplan beruht auf einer umfassenden Analyse der Nutzungs- und Erschliessungsmöglichkeiten des Fabrikareals. Er zeigt auf, wie sich die übergeordneten Versorgungs-, Produktions- und Entsorgungsprozesse sowie die haustechnischen Anlagen flexibel organisieren lassen. Dies mit einer langfristigen Perspektive und gegliedert in Etappen.

Der Masterplan ist sowohl für Neubauten wie auch für bestehende Areale ein unverzichtbares Planungsinstrument. Er ist das Produkt einer engen und dauerhaften Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und den Fabrikplanern.

www.ie-group.com

 

Facts & Figures

Planungs- und Bauzeit: 36 Monate
Arealgrösse: 100.000 m2, Option auf weitere 2 x 50.000 m2
Gebäudefläche: 24.000 m²
Investitionsvolumen: € 100 Mio.
Leistung IE: Gesamtverantwortung als Generalübernehmer

Meilensteine des Projektes

August 2016: Planungsbeginn
31. März 2017: Bauantragseinreichung
26. September 2017: Spatenstich in Anwesenheit von Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und Simon Michel, CEO der Ypsomed-Gruppe
5. Dezember 2017: Unterzeichnung des GÜ-Werkvertrags zwischen Ypsomed und IE Plast
28. Juni 2018: Richtfest
12. Februar 2019: Beginn Anlieferung und Installation der Spritzgiessmaschinen
22. August 2019: Eröffnung des Produktionswerks durch CEO Simon Michel in Anwesenheit von Gesundheitsminister Jens Spahn, der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig und des Wirtschaftsministers Harry Glawe

Die Ypsomed Gruppe

Ypsomed ist die führende Entwicklerin und Herstellerin von Injektions- und Infusionssystemen für die Selbstmedikation und ausgewiesene Diabetesspezialistin mit über 30 Jahren Erfahrung. Als Innovations- und Technologieführerin ist sie die bevorzugte Partnerin von Pharma- und Biotechunternehmen für Injektions-Pens, Autoinjektoren und Pumpensysteme zur Verabreichung von flüssigen Medikamenten. Ypsomed präsentiert und vertreibt ihre Produktportfolios unter den Dachmarken mylife Diabetescare direkt an Patienten oder über Apotheken und Kliniken sowie unter YDS Ypsomed Delivery Systems im Business-to-Business-Geschäft an Pharmafirmen.

Die Ypsomed Gruppe hat ihren Hauptsitz in Burgdorf (Schweiz) und verfügt über ein globales Netzwerk aus Produktionsstandorten, Tochtergesellschaften und Vertriebspartnern und beschäftigt weltweit rund 1.800 Mitarbeitende.

www.ypsomed.ch