Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

Wittmann Battenfeld: Neue servohydraulische Spritzgießmaschine geht an den Start

Die österreichische Wittmann Gruppe wird auf der Fakuma parallel zu den physisch zu besichtigenden Exponaten auch die Möglichkeit bieten, via der neuen Medientechnologie Wittmann Interactive live in die Technika in Kottingbrunn, Meinerzhagen und Nürnberg zu schalten und damit Einblick in weitere Exponate zu geben. Als ein Highlight kündigt Wittmann Battenfeld die neue servohydraulische Spritzgießmaschine SmartPlus mit der neuen Steuerung B8X an, die in Friedrichshafen gezeigt wird und ab dem vierten Quartal 2021 in den Schließkraftgrößen von 600 bis 1.800 kN in erster Serie verfügbar sein soll.

Die SmartPlus 60 ist die kleinste der in den Schließkraftgrößen von 600 bis 1.800 kN neu vorgestellten Baureihe. (Foto: Wittmann Battenfeld)

Die SmartPlus 60 ist die kleinste der in den Schließkraftgrößen von 600 bis 1.800 kN neu vorgestellten Baureihe. (Foto: Wittmann Battenfeld)

Bei der SmartPlus handelt es sich um eine servohydraulische Maschine, die sich durch ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und Wiederholgenauigkeit auszeichnet. Durch den Einsatz bewährter Technologien und ausgewählter Optionen können bei dieser Maschine kurze Lieferzeiten und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten werden. Besonders hervorzuheben ist bei der SmartPlus die neue Steuerung B8X mit im Haus entwickelten Steuerungskomponenten. Diese ermöglichen eine höhere Taktfrequenz, kürzere Reaktionszeiten und eine höhere Reproduzierbarkeit der Teile bei unverändertem Bedienkomfort und gewohnter Visualisierung. Selbstverständlich ist auch die SmartPlus mit der für die EcoPower entwickelten Energierückgewinnungstechnologie KERS ausgestattet. Die SmartPlus wird derzeit bei ausgewählten Kunden für Praxistests eingesetzt.

Die Vorteile der neuen SmartPlus werden anhand einer SmartPlus 180/750 vorgestellt. Die Anlage ist mit der Anwendungssoftware HiQ Flow, dem neuen Condition Monitoring System CMS-Light zur Überwachung von erweiterten, servicerelevanten Maschinenparametern und einem gravimetrischen Dosiergerät Gravimax G14 ausgestattet. Die Automatisierung mit einem Wittmann Roboter Primus 26T wird über eine von Wittmann Battenfeld Deutschland, Nürnberg, entwickelte und produzierte Easy-Zelle realisiert. Die auf Rollen montierte Easy-Zelle kommt ohne Schutztür aus und benötigt damit nur minimalen Platz neben der Spritzgießmaschine. Trotz der kompakten Bauweise erhält der Kunde alle CE-konformen Sicherheitseinrichtungen.

Die Radblende für Rasenmäher wird mit der neuen SmartPlus 180 hergestellt. (Foto: Wittmann Battenfeld)

Die Radblende für Rasenmäher wird mit der neuen SmartPlus 180 hergestellt. (Foto: Wittmann Battenfeld)

Mit der SmartPlus 180/750 wird eine Radblende aus PP für Rasenmäher mit einem Werkzeug der Uralan Kunststoffverarbeitung GmbH, Münsingen, hergestellt. Im Sinne einer nachhaltigen Produktion wird dabei eine Mischung von Neuware und Rezyklat verwendet. Zur Sicherstellung der Qualität der Teile wird die Software HiQ Flow eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine materialviskositätsbezogene Einspritzregelung, mit deren Hilfe Temperatur- und Chargeneinflüsse auf die Materialviskosität kompensiert werden.

Medical-Anwendung auf EcoPower 55 Produktionszelle

Die Schlauchklammer für die Medizintechnik entsteht auf einer EcoPower 55/350 Wittman 4.0 Produktionszelle. (Fotos: Wittmann / Wilamed)

Die Schlauchklammer für die Medizintechnik entsteht auf einer EcoPower 55/350 Wittman 4.0 Produktionszelle. (Fotos: Wittmann / Wilamed)

Anhand der Herstellung einer Schlauchklammer für die Medizintechnik mit einem Achtfach-Werkzeug der Wilamed GmbH, Kammerstein, demonstriert Wittmann Battenfeld seine Kompetenz im Bereich der Digitalisierung. Zum Einsatz kommt dabei eine vollelektrische EcoPower 55/350, die mit den Software-Paketen HiQ Flow zum Ausgleich von Viskositätsschwankungen, HiQ Melt zur Überwachung der Materialqualität und HiQ Metering zum aktiven Verschließen der Rückstromsperre ausgestattet ist.

In die Unilog B8-Steuerung der Maschine sind der Wittmann Roboter W918, ein Segmentradtrockner Aton plus H30 und drei Temperiergeräte der Serie Tempro plus D als auch das MES-System Temi+ via Wittmann 4.0 integriert. Auf der Unilog B8 kommt auch das elektronische Werkzeugdatenblatt zum Einsatz. Die mittels Wittmann 4.0 Router vernetzte Produktionszelle kann damit prüfen, ob die angeschlossenen Peripheriegeräte für den vorgewählten Produktdatensatz ausreichend sind oder ob weiteres Equipment benötigt wird. Auch bei dieser Anwendung wird die Automatisierung mittels Easy-Zelle von Wittmann Battenfeld Deutschland realisiert werden.

LSR-Anwendung auf MicroPower 15/10H/10H Combimould

Sein Know-how im Bereich der LSR-Verarbeitung als auch des Spritzgießens von Kleinst- und Mikroteilen zeigt Wittmann Battenfeld auf der Fakuma anhand der Produktion eines Stützrings mit Silikon-Membrane aus PC und LSR auf einer MicroPower 15/10H/10H Combimould.

Die MicroPower in Mehrkomponentenausführung ist mit zwei horizontal angeordneten Spritzaggregaten und einem Drehteller ausgestattet. Die Maschine ist für den Spritzguss im Reinraum ausgelegt. Der Drehteller ist komplett gekapselt. Alle Anschlüsse für Heizungen, Temperaturfühler, Wassertemperierung, Kernzugspneumatik und -sensorik sowie Ausblasventil sind am Drehteller ausgeführt. Die damit kurzen Anschlüsse zum Werkzeug erhöhen den Bedienkomfort der Maschine. Wie bei der Standardmaschine sind auch die Spritzaggregate der MicroPower Mehrkomponenten-Maschine in Form von zweistufigen Schnecken-Kolben-Aggregaten mit einem Schussvolumen von 4 cm³ ausgeführt, die mit kürzesten Fließwegen die Verarbeitung thermisch homogener Masse und damit eine hervorragende Qualität der Teile ermöglichen.

Bei den für den vorgestellten Stützring eingesetzten Materialien handelt es sich um Polycarbonat (Makrolon) von Covestro und ein selbsthaftendes LSR (Silopren) von Momentive. Das Werkzeug wurde in Zusammenarbeit mit Nexus gebaut. Die LSR-Dosieranlage stammt von Nexus und ist mit einem neuen Servomix-Dosiersystem mit OPC-UA-Schnittstelle (Euromap 82.3) ausgestattet.

Detaillierte Energiekosten-Analyse mit IMAGOxt

Alle am Wittmann-Stand gezeigten Maschinen werden mit der Software IMAGOxt, einem Zusatzmodul zum MES Temi+, ausgestattet sein. IMAGOxt ermöglicht es, den Energieverbrauch bzw. Energiefluss sichtbar zu machen und zu überwachen. Mit Hilfe dieser Software kann eine detaillierte Energiekosten-Analyse für die angeschlossenen Maschinen erstellt werden. In weiterer Folge können benutzerdefinierte KPIs erzeugt, personalisierte Berichte und Alarmanzeigen generiert und die energetische Leistung des Unternehmens kontrolliert werden.

Entwicklungen bei Gasinnendrucktechnologie

Die neuesten Entwicklungen im Bereich der Gasinnendrucktechnologie Airmould werden am Messestand in einem eigenen Airmould Center vorgestellt. Hier können sich Interessenten über die Möglichkeiten, die diese Technologie im Sinne einer nachhaltigen Produktion von Teilen bietet, als auch über die Vorteile des neuen Druckregelmoduls und des Handbediengerätes der nächsten Generation Airmould Next eingehend informieren.

Wittmann Interactive: Streaming von der Messe in die Technika

Zusätzlich zu den am Messestand ausgestellten Exponaten bietet die Wittmann Gruppe ihren Besuchern die Möglichkeit, sich vor Ort mittels der neuen Medientechnologie Wittmann Interactive in die Technika in Kottingbrunn, Meinerzhagen und Nürnberg einzuwählen und dort Informationen zu weiteren ausgewählten Exponaten zu erhalten.

Via Wittmann Interactive zeigt Wittmann Battenfeld bestehende Technologien wie die Leichtbautechnologie Cellmould auf einer MacroPower 1100/12800. Mit dieser Maschine wird ein Sitzbankträger für einen deutschen Sportwagen aus PP mit einem 1-fach-Werkzeug von Frimo hergestellt. Des Weiteren wird am Standort in Meinerzhagen Inline-Recycling mit einer SmartPower 60 Ingrinder gezeigt. Auf der Maschine wird mit einem 2+2-fach-Werkzeug eine Dose mit Deckel aus PS produziert.

Neben den bereits bekannten Technologien werden an den einzelnen Standorten auch neue Applikationen vorgestellt.

Kottingbrunn: Spritzprägen für dünnere Wandstärken

Beim Spritzprägen ICM (Injection Compression Molding) wird die Schmelze in eine nicht vollständig geschlossene Form eingespritzt. Die Formgebung erfolgt nach vollständigem Schließen des Werkzeugs durch Verdrängen der Schmelze in die Kavität. Dadurch kann das Werkzeug mit geringerem Druck befüllt werden, was eine Reduzierung des Verzugs im Teil zur Folge hat. Diese Technologie stellt Wittmann Battenfeld in Kottingbrunn anhand einer schnelllaufenden EcoPower Xpress 160/1100+ vor. Die Maschine ist mit einem Wittmann Roboter zur schnellen Entnahme der Teile ausgestattet. Mit einem Vierfach-Werkzeug der Glaroform AG, Näfels/Schweiz, wird ein Becher mit geringer Wandstärke in kurzer Zykluszeit hergestellt. Durch die hochdynamische Antriebstechnologie der schnelllaufenden EcoPower Xpress können im Besonderen die für das ICM-Verfahren erforderlichen geringen Einspritzzeiten realisiert werden.

Meinerzhagen: Gasinnendrucktechnologie Airmould Next

Bei der Gasinnendruck-Technologie Airmould Next wird Stickstoff in die teilweise oder vollständig mit Schmelze gefüllte Formkavität injiziert, wodurch sich eine innere Hohlraumstruktur ausbildet. Auf diesem Wege lassen sich Leichtbauteile mit kurzer Zykluszeit und gleichzeitig guten Oberflächen erzeugen. Alle hierfür benötigten Komponenten wurden bei Wittmann Battenfeld entwickelt. Das Druckregelmodul als auch das Handbediengerät, das für den Einsatz der Technologie an Fremdmaschinen erforderlich ist, wurden grundlegend überarbeitet. Dabei wurde vor allem auf eine kompakte Bauweise der neuen Einheiten als auch eine Verbesserung von Bedienkomfort und Qualitätsüberwachung Wert gelegt. Die neue Gasinnendrucktechnologie Airmould Next wird in Meinerzhagen anhand einer servohydraulischen SmartPower 120/525 vorgestellt. Mit der Maschine wird ein Handtuchhalter aus Polystyrol hergestellt.

Nürnberg: IMD-Anwendung mit funktionaler Oberfläche

Mit einer schnelllaufenden EcoPower Xpress 160 und unter Einsatz der Dünnwandtechnologie ICM entstehen diese Becher im Vierfach-Werkzeug. (Foto: Glaroform)

Mit einer schnelllaufenden EcoPower Xpress 160 und unter Einsatz der Dünnwandtechnologie ICM entstehen diese Becher im Vierfach-Werkzeug. (Foto: Glaroform)

In einem Gemeinschaftsprojekt mit den Firmen Leonhard Kurz, Hersteller von funktionalen Folien und Folienzuführeinrichtungen, und Syntech Plastics, Technologieanbieter IMD, treibt Wittmann Battenfeld das interessante und zukunftsträchtige Thema der dekorierten und funktionalisierten Oberflächen sowohl für die Automobilindustrie als auch die Weiße Ware und andere Bereiche durch Bereitstellung geeigneter Spritzgießtechnologie weiter voran. Gearbeitet wird dabei an einem Anlagenkonzept, das alle wesentlichen Elemente für vier verschiedene Dekorationsverfahren vorsieht und das auf den konkreten Anwendungsfall anpassbar sein wird. Die Anlage soll flexibel für IMD mit Folienvorschubeinheit, IMD mit Vorheizen der Folie, IMD Vario mit Vorheizen und Tiefziehen Insert Molding ausgelegt sein. Die Maschine ist mit dem Expert-Coining Paket ausgestattet, das parallele Werkzeugbewegungen während des Einspritzvorgangs zulässt.

Via Wittmann Interactive präsentieren die Partner am Wittmann-Battenfeld-Standort Nürnberg mit einer SmartPower 300 Produktionszelle mit Automatisierung und Wittmann 4.0 Integration eine Innenabdeckung für die Automobilindustrie mit funktionaler Oberfläche. Das komplette Interieur-Teil wird auf Demonstratoren sowohl auf dem Wittmann Messestand als auch auf dem Messestand von Leonhard Kurz zu sehen sein.

www.wittmann-group.com

Dieser Anbieter stellt auf der Fakuma 2021 in Friedrichshafen in Halle
					B1 am Stand B1-1204 aus
Halle: B1
Stand: B1-1204

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