Neue Maschinen, Werkstoffe und Verfahren

Wittmann Battenfeld: Ressourcen schonen durch energieeffiziente Anlagentechnik sowie Wanddicken- und Gewichtsreduzierung

Der Spritzgießmaschinenbauer zeigt eine Spritzpräge-Anwendung mit Vierfach-IML-Automation, eine 11.000-kN-Großmaschine für eine Türinnenverkleidung aus Naturmaterialien und Rezyklaten sowie eine Automatisierungszelle zur Herstellung einer Wasserwaage.

Wittmann Battenfeld, Kottingbrunn (Österreich), präsentiert seine Maschinen und Anlagen erstmals im neuen Wittmann Design auf der K 2022 und demonstriert damit noch deutlicher als bisher die Kompetenz der Wittmann Gruppe als Single Source für die gesamte Spritzgießanlage, von der Maschine über die Automatisierung bis hin zur Peripherie mit der Möglichkeit der Vernetzung via Wittmann 4.0.

Spritzprägen für dünnere Wandstärken

Beim Spritzprägen bzw. Injection Compression Molding (ICM) wird die Schmelze in eine nicht vollständig geschlossene Form eingespritzt. Die endgültige Formgebung erfolgt nach komplettem Schließen des Werkzeugs durch Verdrängen der Schmelze in die Kavität. Dadurch kann das Werkzeug mit geringerem Druck befüllt werden, was eine Reduzierung des Verzugs im Teil zur Folge hat. ICM erlaubt die Verarbeitung einer erweiterten Materialpalette bei besonders effizientem Material- und Energieverbrauch. Außerdem bietet es innovative Lösungsansätze, wenn die herkömmlichen Prozesse an ihre Grenzen stoßen. Der Prozess ermöglicht geringste und exakt reproduzierbare Wanddicken und eine präzise Abbildung von Oberflächenstrukturen.

Diese Technologie stellt Wittmann Battenfeld anhand einer schnelllaufenden EcoPower Xpress 160/1100+ vor. Mit einem Vierfach-Werkzeug von Glaroform wird ein 230-ml-Becher aus Polypropylen von Sabic mit einer Wanddicke von 0,28 mm hergestellt. Durch die hochdynamische Antriebstechnologie der schnelllaufenden EcoPower Xpress können im Besonderen die für das ICM-Verfahren erforderlichen geringen Einspritzzeiten realisiert werden. Die Maschine ist mit einer Vierfach-IML-Anlage von Beck Automation ausgestattet. Diese Anlage zeichnet sich durch ihre hohe Geschwindigkeit und ihre kompakte Bauweise aus. Eine Besonderheit der Anlage besteht in der automatischen Positionierung aller vier Label. Jedes Label wird unabhängig von seiner Position im Magazin immer an die exakt gleiche Stelle auf dem IML-Kern platziert. Dadurch wird zum einen der Ausschuss und zum anderen der Bedienaufwand reduziert, da die Labelmagazine nicht mehr manuell eingestellt werden müssen. Die Qualitätsprüfung der mit IML-Labels von Verstraete versehenen Becher erfolgt durch ein in die Anlage integriertes Vision System mit zehn Kameras von Intravis.

Strukturschäumen und Einsatz von Naturfasern spart Gewicht

Türinnenverkleidung aus Naturfasermatte und Rezyklat, hergestellt mit einer MacroPower 1100 und einem Werkzeug von Frimo. (Foto: Frimo)

Türinnenverkleidung aus Naturfasermatte und Rezyklat, hergestellt mit einer MacroPower 1100 und einem Werkzeug von Frimo. (Foto: Frimo)

Mit einer MacroPower 1100/12800, ausgestattet mit einem energiesparenden drehzahlgeregelten Servomotor und einer Konstantpumpe, stellt Wittmann Battenfeld mit einem Werkzeug von Frimo eine Türinnenverkleidung her, die sich durch ihr geringes Gewicht auszeichnet. Dabei setzt Wittmann Battenfeld auf den Einsatz von Naturmaterialien und Rezyklaten. Die Türinnenverkleidung besteht aus einer besonders leichten Naturfasermatte, an die eine Kartentasche aus einem rezyklierten Polypropylen von Borealis angespritzt wird. Um eine zusätzliche Material- und Gewichtsreduktion zu erreichen, kommt die von Wittmann Battenfeld entwickelte und patentierte Strukturschaumtechnologie Cellmould zum Einsatz. Die dadurch erzielte Materialreduktion kommt der Umwelt in mehrfacher Hinsicht zugute. Zum einen werden damit wertvolle Rohstoffe eingespart, zum anderen werden die Teile leichter, was den Kraftstoffverbrauch im Auto senkt bzw. bei Elektrofahrzeugen die Batteriereichweite erhöht. Bei dieser Anwendung werden die vorgeschnittenen Naturfasermatten mit einem Wittmann Roboter WX152 aus einem Pufferstapel aufgenommen und in eine IR-Heizstation eingelegt. Danach werden die aufgeheizten Matten mit einem Kombigreifer (Entnahme- und Einlegegreifer) auf der stationären Formhälfte in das Spritzgießwerkzeug eingebracht, umformt, beschnitten und umspritzt. Das fertige Teil und der Beschnitt werden vor dem Einlegen der Naturfasermatte von der fixen Formhälfte entnommen und anschließend zur Ablageposition gebracht.

Die MacroPower ist mit dem neu entwickelten Condition Monitoring System Wittmann CMS Lite ausgestattet. Dieses Monitoring System ermittelt laufend den ‚Gesundheitszustand‘ der servohydraulischen Achsen, aus dem sich der Zustand der Pumpe und Achsventile ableiten lässt.

Neue SmartPlus-Maschine mit High-Tech-Automatisierung und Digitalisierung

Seine vielfältige Kompetenz im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung stellt Wittmann Battenfeld auf der diesjährigen K-Messe im besonderen Maße anhand der Herstellung einer Wasserwaage mit einer Maschine der neuen SmartPlus Reihe mit neuer B8X-Steuerung unter Beweis. Die servohydraulische SmartPlus zeichnet sich durch ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und Wiederholgenauigkeit aus. Durch den Einsatz bewährter Technologien und ausgewählter Optionen kann bei dieser Maschine ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten werden.

In einer Automatisierungszelle mit einer SmartPlus 90 wird mit einem 1+1-fach-Werkzeug von Sola eine Wasserwaage aus ABS hergestellt. (Abb.: Wittmann Battenfeld)

In einer Automatisierungszelle mit einer SmartPlus 90 wird mit einem 1+1-fach-Werkzeug von Sola eine Wasserwaage aus ABS hergestellt. (Abb.: Wittmann Battenfeld)

Mit einer SmartPlus 90/350, ausgestattet mit dem Condition Monitoring System Wittmann CMS Lite und einer von Wittmann Battenfeld Deutschland konzipierten und gebauten Automatisierungszelle, wird mit einem 1+1-fach-Werkzeug von Sola eine Wasserwaage aus ABS hergestellt. Dabei werden in einem ersten Schritt das Ober- und Unterteil des Gehäuses der Wasserwaage gespritzt. Das Oberteil wird in einer Laserstation abgelegt und bedruckt. Das auf einer Ablage deponierte Unterteil wird gleichzeitig mit Libellen von Sola bestückt. Danach wird das Oberteil mit einer vordefinierten Kraft auf das Unterteil gedrückt. Die fertigen Teile werden zu einer Teststation transportiert, wo die Lage der Libellen mittels Vision System kontrolliert wird. Die fertigen Wasserwaagen werden nach der Kontrolle mit einem Wittmann Roboter WX138 entnommen und auf einem Förderband abgelegt.

Ressourcenschonung durch Leichtbautechnologie

Neben den vorgestellten Maschinen und Anlagen stellt Wittmann Battenfeld auch seine neuesten Entwicklungen im Bereich der Gasinnendrucktechnologie Airmould vor. Zu sehen sind das neue Druckregelmodul Airmould 4.0 als auch das neue Handbediengerät für diese Technologie. In einem Airmould / Cellmould Center stehen Experten des Unternehmens den Besuchern für Beratung zum Einsatz der Airmould-Technologie als auch der Strukturschaumtechnologie Cellmould zur Verfügung. Beide Technologien ermöglichen signifikante Materialeinsparungen bei der Herstellung von Kunststoffteilen, die sich auch auf das Gewicht und die Herstellkosten der Teile auswirken.

Weitere Exponate

Erneuerbare Energien verlustfrei nutzen und alternative Materialien schwankungsfrei verarbeiten sowie Flüssigsilikonverarbeitung im Standard- und Mikrobereich, Leichtbau mittels Gasinnendruck, IML/IMD-Technologie für dekorierte und funktionalisierte Oberflächen sowie eine mit Sprachsteuerung und Augmented Reality ausgestattete Arbeitszelle sind weitere Messeschwerpunkte von Wittmann Battenfeld.

www.wittmann-group.com

Dieser Anbieter stellt auf der K 2022 in Düsseldorf in Halle
						15 am Stand 15-C06 aus
Halle: 15
Stand: 15-C06